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Die damalige Miss Türkei (re.) und ihre spanische Kollegin bei der Miss World Gala 2006 in Warschau. Jetzt steht die 26-Jährige wegen eines Instagram-Posts vor Gericht.
Die damalige Miss Türkei (re.) und ihre spanische Kollegin bei der Miss World Gala 2006 in Warschau. Jetzt steht die 26-Jährige wegen eines Instagram-Posts vor Gericht.(Foto: dpa)

Wegen Kritik an Erdogan: Ehemalige Miss Türkei festgenommen

Weil sie ein satirisches Gedicht über den türkischen Staatschef Erdogan verbreitete, muss sich die 26-jährige ehemalige Miss Türkei vielleicht vor Gericht verantworten. Doch sie ist nicht die einzige, die von den türkischen Behörden verfolgt wird.

Wegen angeblicher Beleidigung des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan droht einem 26-jährigen Model in dem Land eine mehrjährige Haftstrafe. Nach einer Anzeige von Erdogans Anwalt vom November vergangenen Jahres habe die Justiz Ermittlungen gegen die frühere Miss Türkei Merve Büyüksarac aufgenommen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu. Als Grund wurde die Verbreitung eines satirischen Gedichts im Internet genannt.

Der Text mit dem Titel "Meistergedicht", der Erdogan unter Verwendung von Zeilen der türkischen Nationalhymne kritisiert, stammt noch aus seiner Zeit als Ministerpräsident. Büyüksarac verbreitete das Gedicht aus der Satirezeitschrift "Uykusuz" vor Erdogans Wahl zum Staatschef im August vergangenen Jahres im Onlinedienst Instagram. Nach eigenen Angaben löschte sie den Eintrag wieder, als Freunde sie davor gewarnt hätten, dass sie sich strafbar machen könne.

"Großer Meister" beleidigt

Im Januar wurde die Miss Türkei des Jahres 2006 kurzzeitig festgenommen. Nun prüft die Justiz die Eröffnung eines Strafverfahrens. Es drohen viereinhalb Jahre Haft. Vor einem Gericht in Istanbul sagte Büyüksarac gerade, sie habe Erdogan nicht beleidigen wollen, sondern das Gedicht einfach lustig gefunden. Die Staatsanwaltschaft ist jedoch der Ansicht, dass der Text nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt sei, die Grenzen der Satire überschreite und Erdogan beleidige.

Die türkische Justiz geht seit einiger Zeit verstärkt gegen Kritiker Erdogans wegen angeblicher Präsidentenbeleidigung vor. Der 60-jährige islamisch-konservative Politiker wird in der Türkei ironisch "Großer Meister" genannt. Auf diese Bezeichnung greift auch das "Meistergedicht" zurück. Von der juristischen Verfolgung sind auch immer wieder Journalisten betroffen. Am 6. März soll zudem ein Prozess gegen einen minderjährigen Schüler eröffnet

15-Jährigen droht lebenslange Haft

Doch nicht nur das Model ist im Fokus der türkischen Behörden. Nach der Teilnahme an einer gewalttätigen Demonstration in der südtürkischen Stadt Mersin droht vier Jugendlichen nach Angaben von Menschenrechtlern lebenslange Haft. Den 15-Jährigen werde unter anderem vorgeworfen, "die Einheit des Staates beschädigt zu haben", sagte der Chef der Menschenrechtsvereins (IHD) in Mersin, Ali Tanriverdi. Die Minderjährigen hätten laut Anklage im vergangenen September an einer Demonstration teilgenommen, die die Behörden als illegal werteten.

Ihnen werde zudem vorgeworfen, Steine geworfen zu haben. Tanriverdi kritisierte die Anklage als "unverständlich". Die Anwältin Senem Doganoglu von der Menschenrechtsstiftung der Türkei sagte, Minderjährige könnten bei einer lebenslangen Gefängnisstrafe maximal 15 Jahre inhaftiert werden. Voraussetzung für eine solch schwere Strafe sei zudem ein Schuldspruch in mehreren Anklagepunkten.

Quelle: n-tv.de

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