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Das Eingangstor zum ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau: Hier wurden mehr als eine Million Menschen ermordet.
Das Eingangstor zum ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau: Hier wurden mehr als eine Million Menschen ermordet.(Foto: dpa)

Beihilfe zum Mord in 1075 Fällen: Ehemaliger SS-Wachmann kommt vor Gericht

Erneut kommt ein ehemaliges Mitglied der SS vor Gericht. Der Wachmann im KZ Auschwitz-Birkenau muss sich in Hanau wegen der Beihilfe zum Mord in mehr als 1000 Fällen verantworten. Verhandelt wird vor dem Jugendgericht.

Wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 1075 Fällen muss sich voraussichtlich ab April ein mutmaßlicher früherer SS-Wachmann des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau vor dem Landgericht Hanau verantworten. Das teilte das Gericht mit, nachdem die zuständige Kammer über die Eröffnung der Hauptverhandlung entschieden hatte. Ein Gutachter hatte den 93-Jährigen zuvor für eingeschränkt verhandlungsfähig erklärt.

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Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, von November 1942 bis Juni 1943 als Mitglied des sogenannten SS-Totenkopfsturmbanns als Bewacher in dem größten der NS-Konzentrations- und Vernichtungslager tätig gewesen zu sein. Dabei soll er einen Beitrag zur Ermordung der Menschen in drei Deportationstransporten geleistet haben, von denen mindestens 1075 gleich bei Ankunft in Gaskammern getötet worden waren.

Bei dem Hanauer Gerichtsverfahren erfolgte die Beschränkung auf drei Deportationszüge nach Angaben der Anklage allein aus Rechts- und Beweisgründen. Das Verfahren wird vor einer Jugendkammer des Hanauer Landgerichts stattfinden, weil der Beschuldigte zur Tatzeit 19 bis 20 Jahre alt war. Starten soll der Prozess dem Gericht zufolge voraussichtlich am 13. April. Der Mann ist für längstens vier Stunden am Tag verhandlungsfähig.

Mehrere Prozesse

Bundesweit beginnen in den kommenden Tagen und Wochen gleich mehrere Verfahren gegen mutmaßliche ehemalige Mitglieder der SS-Mannschaften von Auschwitz. Am Donnerstag startet in Detmold der Prozess gegen einen früheren SS-Wachmann, dem Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen vorgeworfen wird. Ab 29. Februar muss sich dann ein ehemaliger SS-Sanitäter in Neubrandenburg vor Gericht verantworten.

Aufgrund einer veränderten Rechtsauslegung durch Gerichte war in den vergangenen Jahren noch einmal Schwung in die Strafverfolgung von NS-Tätern gekommen. Wegen gestiegener Chancen auf Verurteilungen brachten die Staatsanwaltschaften mehrere Verfahren gegen frühere Auschwitz-Bedienstete auf den Weg. Im Juli vergangenen Jahres verurteilte das Landgericht Lüneburg den ehemaligen SS-Buchhalter Oskar G. zu einer vierjährigen Haftstrafe wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen.

Im Lagerkomplex von Auschwitz-Birkenau im damals deutsch besetzten Polen hatte das NS-Regime zwischen 1940 und 1944 schätzungsweise 1,1 Millionen Menschen ermorden lassen, etwa eine Million waren Juden. Insbesondere in den Jahren 1943 und 1944 war das Lager mit seinen Gaskammern der zentrale Ort des Holocaust.

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Quelle: n-tv.de

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