Dienstag, 16. August 2011
Zu viele "Ideologie-Ajatollahs": Eigene Partei nervt Bisky
Beim Richtungsstreit bei den Linken verlässt der ehemalige Bundeschef Bisky die Deckung. Er kritisiert die Debatte in seiner Partei um die Bewertung des Mauerbaus scharf. Die Linke müsse ihn geschlossen verurteilen, fordert Bisky. Insgesamt fehlt ihm bei den Linken der Respekt gegenüber anderen Gedanken und Persönlichkeiten.Der ehemalige Bundesvorsitzende der Linken, Lothar Bisky, hat seiner Partei vorgeworfen, "zu verbissen" und "zu verblendet" ihre politischen Ziele zu verfolgen. Bei der Linken gebe es zu viele "Ideologie-Ajatollahs", kritisierte Bisky. Es müsse in der Partei "mehr Respekt gegenüber anderen Gedanken und Persönlichkeiten" geben. Bisky, der am Mittwoch 70 Jahre alt wird, sitzt heute für seine Partei im Europaparlament.
In der Debatte um die Bewertung des Mauerbaus vor 50 Jahren forderte Bisky von seiner Partei eine einheitliche Haltung. Für die Linke gebe es keine Alternative als die Verurteilung der Mauer. "Der Mauerbau war ein schwerwiegender historischer Fehler, der durch nichts zu rechtfertigen ist", betonte Bisky. "Das zu relativieren, wäre sehr verhängnisvoll."
Bei der Linkspartei betrachten manche den Mauerbau als eine logische Folge des Zweiten Weltkriegs - auch die Vorsitzende Gesine Lötzsch, die dafür heftig kritisiert wurde. Die Linke in Mecklenburg-Vorpommern konnte sich bei ihrem Landesparteitag am vergangenen Wochenende nicht auf eine Bewertung des Mauerbaus einigen und vertagte das Streitthema auf die Zeit nach der Landtagswahl.
Bisky war lange Jahre zunächst Bundesvorsitzender der PDS und später der Linken. 2010 machte er gemeinsam mit Oskar Lafontaine Platz für das neue Führungsduo Gesine Lötzsch und Klaus Ernst. In Brandenburg stand der frühere Hochschulprofessor 14 Jahre lang - von 1990 bis 2004 - an der Spitze der PDS-Fraktion. 2007 wurde Bisky zum Vorsitzenden der 2004 gebildeten Europäischen Linken gewählt.
dpa
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