Mittwoch, 23. Juli 2008
Neuer McCain-Spot: Ein Liebeslied für Barack Obama
Die Medien lieben Barack Obama. Das jedenfalls behauptet das Wahlkampfteam des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain. Für einen neuen Werbespot hat das McCain-Team Schnipsel zusammengeschnitten, die diese Liebe belegen sollen.
Der Spot zeigt Szenen, in denen Journalisten und Moderatoren ihrer Vorliebe für Obama Ausdruck verleihen oder ganz allgemein erklären, dass die Medien Obama bevorzugen. Den Wählern soll gezeigt werden: Sender und Zeitungen sind voreingenommen.
Es gibt zwei Versionen des Videos. Per E-Mail wurden McCains Anhänger aufgerufen darüber abzustimmen, welcher Spot im Fernsehen laufen soll - sie unterscheiden sich allerdings nur durch die Liebeslieder, mit denen sie unterlegt sind. "Can't Take My Eyes Off You" führt deutlich vor "My Eyes Adored You". Beide Songs sind von Frankie Valli, dessen große Zeit in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts lag.
"Wohliger Schauer auf dem Bein"
Einige Szenen des Videos sind ganz hübsch: Welcher Prozentsatz der amerikanischen Medien an der Seite von Barack Obama kämpften, wird Terry McAuliffe, der frühere Wahlkampfmanager von Hillary Clinton, gefragt. "Oh, ungefähr 90 Prozent", antwortet McAuliffe lachend.
Talk-Show-Moderator Chris Matthews von MSNBC witzelt, ihm sei bei einer Obama-Rede ein Wonneschauer das Bein hochgekrochen - "das habe ich nicht sehr oft". Es sei "fast schwer, objektiv zu bleiben", sagt Lee Cowan von NBC News, "denn es ist ansteckend". Man sei "nicht cool", wenn man Obama nicht persönlich getroffen habe.
Jammern ist nicht cool
Genau hier liegt das Problem. Obama ist cool, McCain ist es nicht. Sein Werbespot ist ein Drahtseilakt. Es ist eben alles andere als cool, darüber zu jammern, dass keiner einen mag. In Deutschland hat man das unlängst bei Kurt Beck feststellen können.
Der Blogger Jeff Bercovici meint, dass die meisten im Video aufgerufenen Kronzeugen unglaubwürdig sind: Terry McAuliffe etwa war schließlich Clintons Wahlkampfmanager und habe sich als solcher über die Medien beklagt. Lee Cowans Äußerung wiederum sieht Bercovici als Beleg, dass Journalisten Obamas unbestrittenes Redetalent durchaus reflektieren.
"Bemitleidenswert, eifersüchtig, heuchlerisch"
Das Video lasse McCain bemitleidenswert, eifersüchtig und auch heuchlerisch aussehen, schreibt Bercovici. "Erinnert sich jemand daran, dass McCain im Jahr 2000 (im Vorwahlkampf gegen George W. Bush) protestiert hat, als er von der Heldenverehrung der Reporter profitierte?"
"The Caucus", der Blog der "New York Times", weist darauf hin, dass Chris Matthews (der Moderator mit dem Kribbeln im Bein) vor nur wenigen Monaten sagte, die Presse sei "McCains Basis" - McCain selbst habe diese Äußerung mehrfach scherzhaft wiederholt.
Vorbei. Erst kürzlich musste McCain erfahren, dass er bei den Journalisten nur an zweiter Stelle steht: Die "New York Times" lehnte es ab, einen Beitrag von ihm zu drucken. McCains Artikel sollte eine Antwort auf einen Obama-Artikel sein, den die Zeitung in der vergangenen Woche veröffentlicht hatte. Darin hatte Obama seine politischen Pläne für den Irak und Afghanistan beschrieben. In McCains Artikel hätten sich keine neuen Informationen befunden, begründete das Blatt seine Entscheidung. Wenn McCain seine Aussagen konkretisiere, sei man allerdings "begierig", den Artikel zu drucken.
McCains Gejammer kann nach hinten losgehen. Hillary Clinton hatte sich häufiger darüber beschwert, von den Medien niedergeschrieben zu werden. Es hat ihr nicht genutzt.
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