Mittwoch, 14. Oktober 2009
"Katastrophale" Folge der Krise: Eine Milliarde Menschen hungern
Die UN schlagen Alarm: Weltweit hungern mehr als eine Milliarde Menschen. Vor allem die Weltwirtschaftskrise wirkt sich verheerend auf Hunger und Unterernährung in der Welt aus. Während die Zahl der Hungernden alle Rekorde bricht, ist die weltweite Ernährungshilfe auf einem 20-Jahres-Tief.
Erst die Welternährungskrise, nun die Wirtschaftskrise - die Folgen sind besonders in den Entwicklungsländern fatal.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Die Weltwirtschaftskrise hat "verheerende" Auswirkungen auf den Hunger in der Welt. Wie die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nation (WFP) in Rom in ihrem diesjährigen Welthungerbericht mitteilten, stieg die Zahl der Hungerleidenden 2009 als Folge der Krise auf 1,02 Milliarden.
Damit leidet heute statistisch jeder sechste Mensch auf der Welt unter Hunger und Unterernährung, insgesamt 100 Millionen Menschen mehr als 2008. Die Auswirkungen der Krise auf den Welthunger seien "katastrophal", sagte Jacques Diouf, Generaldirektor der FAO, und forderte die Regierungen der Industrieländer auf, sich stärker gegen den Hunger einzusetzen. Der Bericht wurde vor dem Welternährungstag am Freitag veröffentlicht.
Politischer Wille fehlt
Telma Najera füttert in einem Krankenhaus in Guatemala ihren Sohn, der an Unterernährung leidet.
(Foto: AP)
"Was fehlt, ist der politische Wille, den Hunger für immer auszumerzen", kritisierte der FAO-Direktor. Dabei seien die technischen und ökonomischen Voraussetzungen durchaus gegeben. So wie die Mächtigen der Welt "schnell, gemeinsam und kraftvoll" auf die Weltwirtschaftskrise reagiert hätten, sei nun "derselbe starke Einsatz gefragt, um den Hunger zu bekämpfen". Alle Länder seien betroffen, sagte Diouf weiter, "und wie immer leiden die ärmsten Länder und die hilflosesten Bevölkerungen am meisten".
Der FAO zufolge leben die meisten der vom Hunger betroffenen Menschen im Asien-Pazifik-Raum, dort sind 642 Millionen Menschen unterernährt. In Afrika südlich der Sahara sind es 265 Millionen Menschen, in Lateinamerika 53 Millionen, im Nahen Osten und in Nordafrika insgesamt 42 Millionen. In den Industrienationen leiden 15 Millionen Menschen Hunger.
Immer weniger Spenden
Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) beklagt indes, dass die weltweite Ernährungshilfe "auf einem 20-Jahres-Tief" sei. Das Budget des WFP für 2009 sei beispielsweise im Oktober 2009 nur zu gut 40 Prozent finanziert. Zahlreiche Staaten hätten bereits angekündigt, ihre Zusagen zur Entwicklungshilfe in den nächsten Jahren nicht einhalten zu wollen.
"Die Folgen sind für die Hungernden ganz konkret und dramatisch: In Kenia muss die Hilfe für 3,8 Millionen Hungernde ab sofort gekürzt werden; in Äthiopien kann WFP bereits seit Wochen 5 Millionen Hungernden nur noch halbe Rationen geben; in Uganda erhalten 600.000 Vertriebene keinerlei Hilfe mehr; in Guatemala musste WFP die Hilfe für 150.000 mangelernährte Kleinkinder und Mütter einstellen", so Tobias Bauer vom WFP.
Experten-Treffen in Rom
Die ganze Woche über diskutieren mehr als 300 Experten in Rom, dem Sitz der FAO, über die Frage, wie die Erdbevölkerung im Jahr 2050 ernährt werden kann. UN-Schätzungen zufolge könnte die Erdbevölkerung dann von bislang etwa 6,8 auf 9,1 Milliarden Menschen angewachsen sein.
ghö/dpa/AFP
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