Politik

"Nachvollziehbar abschreckend"Einschreibchaos geht weiter

03.02.2010, 13:58 Uhr
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(Foto: dpa)

Entgegen den Beteuerungen von Hochschulrektoren und Politik setzen sich die Probleme bei der Studienplatzvergabe fort. Wegen organisatorischer Mängel waren vier Wochen nach Beginn des Vorlesungsbetriebes Anfang November immer noch mindestens 18.000 Studienplätze in begehrten Numerus-clausus-Fächern unbesetzt.

Die anhaltenden Probleme bei der Studienplatzvergabe sind für die Vorsitzende des Bundestagsbildungsausschusses, Ulla Burchardt, "nicht länger hinnehmbar". Wenn sich nach den vielen Vertröstungen der Hochschulen das geplante Einschreibsystem in den Numerus-clausus-Fächern technisch nicht sofort realisieren lasse, müssten zumindest das Übergangsverfahren sowie die Nachrückmodalitäten deutlich verbessert werden, sagte die SPD-Politikerin.

Burchardt sagte, es sei im Interesse der Studierenden wie der Hochschulen, wenn ein junger Mensch mindestens vier Wochen vor dem Semesterstart die Studienplatzzusage der Hochschule erhalte. Es müsse ausreichend Zeit bleiben, sich eine Wohnung zu suchen und sich auf das Studium vorzubereiten. Alles andere wirke auf die Abiturienten "nachvollziehbar abschreckend".

18.000 Plätze unbesetzt

Die Probleme bei der Studienplatzvergabe haben sich entgegen den Beteuerungen von Hochschulrektoren und Politik auch in diesem Wintersemester fortgesetzt. Nach einer bislang unter Verschluss gehaltenen Erhebung der Kultusministerkonferenz waren wegen organisatorischer Mängel vier Wochen nach Beginn des Vorlesungsbetriebes Anfang November immer noch "mindestens 18.000 Studienplätze" in begehrten Numerus-clausus-Fächern unbesetzt.

An einzelnen Universitäten waren laut der Erhebung bis zu acht Nachrückverfahren erforderlich, die sich zum Teil weit in das laufende Semester hineinzogen. Dadurch werde bei den meist noch sehr jungen Studienanfängern "ein erfolgreicher Start ins Studium erheblich beeinträchtigt", heißt es in dem Papier.

Das gegenwärtige System einschließlich der Nachvermittlung über eine Studienplatzbörse wird in dem Bericht für Studierende wie Hochschulen weiterhin als "unbefriedigend" bezeichnet. Ziel müsse es sein, die Studienplätze bereits vier Wochen vor Vorlesungsbeginn zu vergeben, um genügend Zeit für die Wohnungssuche wie Umzugs- und Studienvorbereitung einzuräumen.

Klagen seit fünf Jahren

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Überfüllter Hörsaal der Martin-Luther-Universität Halle. (Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Klagen über das jährliche Einschreibchaos an den Hochschulen gibt es jetzt seit mehr als fünf Jahren. Länder und Bund hatten 2003/2004 durch verschiedene Gesetzesänderungen den Hochschulen Auswahl und Einschreibung ihrer Studenten in den Fächern weitgehend selbst überlassen, in denen es vor Ort mehr Bewerber als freie Plätze gibt. Die Arbeit der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in Dortmund wurde erheblich beschränkt. Nur noch die Studienplätze in Medizin und Pharmazie werden heute bundesweit von der ZVS vergeben.

"Dialogorientiertes Serviceverfahren" erst 2011

Doch durch fehlende Koordinierung und Abstimmung der Hochschulen kommt es wegen möglicher Mehrfachbewerbungen immer wieder zu Doppeleinschreibungen und damit zur Blockade freier Studienplätze. Abhilfe soll künftig ein computergesteuertes "dialogorientiertes Serviceverfahren" schaffen, über das sich Bund, Länder und Hochschulrektoren im März 2009 verständigt hatten. Es kann aber frühestens im Herbst 2011 seine Arbeit aufnehmen.

Positives Echo auf Studienplatzbörse

Die gemeinsam von Hochschulrektorenkonferenz und ZVS zum Wintersemester 2009/2010 angebotene Übergangslösung einer Studienplatzbörse zur Nachvermittlung freier Plätze habe bei Studieninteressenten wie auch bei den Hochschulen ein "positives Echo" ausgelöst, heißt es in dem Bericht weiter. Seit dem Start im September 2009 habe es rund 400.000 Online-Zugriffe gegeben. "Das eigentliche Problem" der nicht abgeglichenen Mehrfachbewerbungen und langwierigen Nachrückverfahren habe die Studienplatzbörse "jedoch nicht beheben" können. An der Börse haben sich 163 der 187 staatlichen Hochschulen beteiligt, die Studienplätze mit örtlichen Zulassungsbeschränkungen anbieten.

Quelle: dpa