Mittwoch, 11. August 2010
Längere AKW-Laufzeiten: Eon dementiert 30-Milliarden-Deal
Atomkraftgegner reagierten empört auf eine Meldung, die Atomkonzerne wollten sich mit 30 Milliarden Euro längere Laufzeiten erkaufen. Eon dementierte umgehend. Zumindest die Summe sei "nicht zutreffend".
(Foto: picture alliance / dpa)
Der Energiekonzern Eon hat einen Bericht zurückgewiesen, wonach die Atomkraftwerks-Betreiber für längere Laufzeiten 30 Milliarden Euro zahlen wollten. "Vermutungen über die Größe eines Paketes sind nicht zutreffend", sagte Eon-Chef Johannes Teyssen in einer Telefonkonferenz.
Das "Handelsblatt" hatte unter Berufung auf Verhandlungskreise gemeldet, die vier deutschen Atomkonzernen hätten 30 Milliarden Euro für einen Energiefonds angeboten, wenn ihre Meiler zwölf Jahre länger am Netz bleiben dürfen als ursprünglich geplant. Bei den laufenden Gesprächen mit Finanzsstaatssekretär Werner Gatzer wollten Eon, RWE, EnBW und Vattenfall einen entsprechenden Vertrag durchsetzen, um die von der Regierung geplante Brennelementesteuer zu verhindern. Bislang gebe es aber noch kein Verhandlungsergebnis.
Schweigen in Berlin
Die Bundesregierung hüllte sich über das angebliche Angebot in Schweigen. Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans verwies in Berlin darauf, dass das gesamte Energiekonzept erst Ende September beschlussfertig sein werde. "Zu den einzelnen Ständen der Umsetzung geben wir vor Abschluss der Gespräche keinerlei Stellungnahme ab."
Eon-Chef Teyssen bekräftigte unterdessen in einem Bericht seines Konzerns, man sei durchaus zu einem "Vorteilsausgleich" für längere Laufzeiten bereit, wenn er in einem angemessenen Verhältnis zu den zusätzlichen Erlösen stehe. Die Belastungen dürften den wirtschaftlichen Betrieb der Kraftwerke aber nicht unmöglich machen.
Empörte Proteste
Der Staat will einen Teil der Milliardengewinne abschöpfen, die den Energiekonzernen durch die geplante Laufzeitverlängerung winken. Eine Brennelementesteuer soll von 2011 bis 2014 jährlich 2,3 Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen spülen. Eon geht sogar von 3,5 Milliarden Euro aus. Die Energieriesen lehnen derartige Pläne allerdings ab und werben stattdessen seit längerem für einen Fonds zum Ausbau erneuerbarer Energien.
Der vermeintliche 30-Milliarden-Deal sorgte für empörte Proteste bei Opposition und Umweltschützern. Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn warf den Energieversorgern vor, sie wollten sich "längere Laufzeiten, Steuerfreiheit und niedrige Sicherheitsauflagen erkaufen". Der Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedl nannte es einen "Skandal, dass sich milliardenschwere Konzerne von der schwarz-gelben Regierung ein maßgeschneidertes Atomgesetz kaufen wollen".
dpa
Hintergründe zur Nachricht
Bilderserien zur Nachricht
Videos zur Nachricht
Politik
-
Vorstoß aus der CDU
Kinderlose sollen zahlen
-
Zwickauer Terror-Zelle
BKA soll Daten gelöscht haben
-
Sieg bei CPAC-Konferenz und in Maine
Romney gewinnt doppelt
-
US-Haushalt 2013
Obama will Geld von Reichen
-
Regime verstärkt Angriffe auf Homs
Al-Kaida sickert in Syrien ein
-
Chemie hilft beim Lernen
Hunderttausende Kinder gedopt
-
Ramsauers Reformpläne
Keine Amnestie für Punktesünder
-
Adolf Sauerland droht die Abwahl
Aus für den Unsichtbaren?
-
Arbeit an Lebenserwartung anpassen
Forscher erwarten Rente mit 72
-
"Wir haben Videos aus seiner Unizeit."
Radikaler droht Obama
-
"Wir haben Videos aus seiner Unizeit"
Radikaler droht Obama
-
"Klare Verhältnisse"
Seehofer setzt auf Lagerwahlkampf
