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Politiker rufen zum Boykott auf: Erdogan-Effekt belastet Türkei-Tourismus

Von Lisa Schwesig

Die Türkei gehört zu den liebsten Urlaubszielen der Deutschen. Angesichts der politischen Lage ändert sich das derzeit. Deutsche Politiker fordern direkt und indirekt dazu auf, das Land gar völlig zu meiden.

Der Streit um Aufritte türkischer Minister in Deutschland, die Inhaftierung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel und Nazi-Vergleiche durch Präsident Recep Tayyip Erdogan belasten das Verhältnis zwischen Berlin und Ankara. Dabei ist die Türkei eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Doch die Attraktivität des Landes leidet unter der angespannten politischen Situation.

Einige deutsche Politiker fordern sogar einen Türkei-Boykott. Die Linken-Parteivorsitzende Katja Kipping rief direkt dazu auf, auf Reisen in das Land zu verzichten. Der ARD sagte sie: "Wenn die Bundesregierung mit dem Diktator kuschelt, dann sollten wir über einen Tourismus-Boykott nachdenken." Es gehe ihr nicht darum, die Menschen in der Türkei zu schädigen, sondern "ein Zeichen für Demokratie und Menschenrechte an die Adresse von Präsident Recep Tayyip Erdogan" zu setzen.

Kauder im Konsens mit Kipping

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Derselben Meinung ist offenbar auch Volker Kauder. Im Bundestag sagte der Unions-Fraktionsvorsitzende kürzlich: "Ein Land, dessen Repräsentanten sich so verhalten wie Erdogan, braucht sich nicht wundern, wenn der Tourismus zurückgehe." Auch er wolle in der Türkei keinen Urlaub machen, legte Kauder nach. Zwar rief er nicht wie Kipping zum Boykott auf, stimmte aber indirekt zu. Es ist selten, dass sich ein CDU-Mann und eine Linke so einig sind.

Auch der Grünen-Parteichef Cem Özdemir wird wohl vorerst nicht an türkischen Sandstränden entspannen. Der Deutsch-Türke wurde bereits in Berlin von türkischstämmigen Taxifahrern angefeindet und auch Erdogan ist nicht gut auf den Chef der Grünen zu sprechen.

Kipping ist sich sicher, dass sich niemand an einem Badestrand in einem Land entspannen könne, in dem ein Ausnahmezustand herrsche. Den hatte Erdogan nach dem Putschversuch im Sommer verhängt - und war dafür aus Deutschland kritisiert worden. Nicht nur wegen mehrerer Anschläge, sondern auch wegen den Auseinandersetzungen zwischen deutscher und türkischer Regierung meiden Urlauber derzeit das Land.

Die Besucherzahlen sind seit 2016 stark eingebrochen. Laut dem türkischen Statistikamt Türkstat bereisten im vergangenen Jahr nur noch 3,9 Millionen deutsche Touristen das Land, 2015 waren es noch 5,6 Millionen. Damit büßt die Türkei 30 Prozent des Umsatzes ein - ein herber Verlust für einen der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes.

Gabriel plant Türkei-Urlaub

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel wird das nicht von seinen Urlaubsplänen abbringen. Nach einem Treffen erklärte sein türkischer Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu, dass Gabriel auch in diesem Jahr die Türkei besuchen werde, um dort Ferien zu machen. Der SPD-Politiker hatte sich bereits 2016 in der Türkei erholt. Für den Vizekanzler ist die Türkei eben immer noch "ein Zielland für deutsche Touristen".

Auf Facebook teilen dagegen etwa 28.000 Nutzer die Ansicht von Kipping, Kauder und Özdemir. So häufig wurde zumindest ein Post des Accounts "Türkei-Boykott" zum Thema Reisen an die türkischen Mittelmeerküste geteilt. Darin heißt es: "Ich mache keinen Urlaub mehr in dieser Türkei!" Die Seite kritisiert den Mangel an Pressefreiheit, Menschenrechten und Demokratie. Fast 4000 Usern gefällt die Forderung, über 700 Menschen haben einen Kommentar unter dem Bild hinterlassen. Einigen reicht es jedoch nicht, den Urlaub in der Türkei ausfallen zu lassen. Ein Nutzer ruft zu drastischeren Maßnahmen auf: "Kein Gemüseladen und keine Dönerbude von nun an mehr!"

Quelle: n-tv.de

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