Politik

Kein politischer Wille in Bonn: Ergebnislose Klimakonferenz

Das Ende der UN-Klimakonferenz in Bonn ist ernüchternd: Von geringem politischem Ehrgeiz ist die Rede. Dafür wird gelobt, dass man jetzt wenigtens besser wisse, was man überhaupt wolle. Klimaschützer sprechen indes von "erschreckend schwachen" Zielen.

UN-Klimachef Yvo de Boer betonte, es sei klarer geworden, was die beteiligten Regierungen in einem Abkommen beim Kopenhagener Klimagipfel im Dezember sehen wollten. Klimaschützer kritisierten, die Verhandlungen seien in entscheidenden Punkten festgefahren.

Schmelzende Gletscher, ...
Schmelzende Gletscher, ...(Foto: AP)

"Diese Verhandlungsrunde hat deutlich gemacht, was die Regierungen in einem Kopenhagener Abkommen sehen wollen, sie hat gezeigt, dass sie entschlossen sind, ein Abkommen zu erzielen, und das ist schon ein großer Erfolg", sagte De Boer. Es stehe allerdings außer Frage, dass die Industrieländer ehrgeizigere Ziele bräuchten, was die mittelfristige Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes angehe. "Die Uhr läuft, aber wir haben noch immer genug Zeit", betonte De Boer.

Keine verbindlichen Zusagen

Verglichen mit früheren Verhandlungen "war die Haltung konstruktiver, aber der Ehrgeiz geringer", sagte Frankreichs Klimaschutz-Chefunterhändler Brice Lalonde. Alle wüssten, welche Minderungsziele bei den Treibhausgasen für Industrie- und Entwicklungsländer gefragt seien. Nur verbindlich darauf einlassen wolle sich niemand.

... Überschwemmungen, ...
... Überschwemmungen, ...(Foto: dpa)

Die fehlenden verbindlichen Zusagen der Industrieländer zur deutlichen Minderung der Treibhausgas-Emissionen sind einer der Hauptstreitpunkte auf dem Weg nach Kopenhagen. Zugleich gibt es noch keine Einigung darüber, wie die konkrete finanzielle und technologische Unterstützung für die Entwicklungsländer bei ihrem Kampf gegen den Klimawandel aussehen soll. In Kopenhagen soll das Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll beschlossen werden.

Eigener Vorschlag der USA

Bilderserie

Ein ursprünglich 50 Seiten starker Verhandlungstext war bis zu Konferenzende auf über 200 Seiten angewachsen. Nach Angaben eines EU-Unterhändlers wollten alle Beteiligten ihre Vorschläge in dem Dokument wiederfinden.

Die USA, die sich unter Präsident Barack Obama eine Vorreiterrolle im Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben haben, präsentierten derweil zu Konferenzende einen eigenen Vorschlag für ein Klimaschutzabkommen. Dieses sieht US-Delegationschef Jonathan Pershing zufolge vor, neue bindende Minderungsziele für die Industrieländer und ein verpflichtendes "Handeln" der Entwicklungsländer festzuschreiben.

Kein politischer Wille

... Dürre: Die Folgen des Klimawandels sind hinlänglich bekannt.
... Dürre: Die Folgen des Klimawandels sind hinlänglich bekannt.(Foto: AP)

Klimaschützer kritisierten, es habe den rund 190 Delegationen an politischem Willen zu ernsthaftem Klimaschutz gefehlt. Japan beispielsweise habe "erschreckend schwache" Ziele präsentiert, bemängelte Germanwatch. Oxfam nannte die Haltung der Industrieländer "erschreckend". Die angebotenen Klimaziele liefen auf einen Anstieg der Welt-Durchschnittstemperatur um etwa drei Grad hinaus. Experten zufolge droht die Klimakatastrophe aber bereits, wenn die Temperatur um mehr als zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit ansteigt.

Quelle: n-tv.de

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