Montag, 10. Mai 2010
Vermächtnis des Kosovo-Krieges: Ermittler entdecken Massengrab
Hunderte Leichen von Kosovo-Albanern wurden im Krieg mit Serbien verschleppt, viele sind bis heute verschollen. Zeugenaussagen haben serbische und EU-Ermittler auf die Spur eines weiteren Massengrabes geführt.
Beisetzung eines Kosovo-Albaners im Jahr 1999, nachdem nahe Pristina ein Massengrab entdeckt wurde.
(Foto: picture-alliance / dpa)
In Serbien ist ein Massengrab aus der Zeit des Kosovokriegs entdeckt worden, in dem rund 250 Kosovo-Albaner begraben sein sollen. Die serbische Staatsanwaltschaft gegen Kriegsverbrechen sei gemeinsam mit der EU-Polizei- und Justizmission EULEX auf das Massengrab gestoßen, sagte Staatsanwalt Vladimir. Es befinde sich in einem Steinbruch nahe der südserbischen Stadt Raska, wenige Kilometer von der Grenze zum Kosovo entfernt. Seinen Angaben zufolge vermuten die Ermittler dort auf Grundlage von Zeugenaussagen und Fotos die Leichen von rund 250 Kosovo-Albanern. Bald sollten Ausgrabungen beginnen, sagte Vukcevic.
Einheiten des damaligen serbischen Machthabers Slobodan Milosevic hatten während des Kosovokriegs Ende der 90er Jahre die Leichen von hunderten Kosovaren albanischer Abstammung an verschiedene Orte nach Serbien verschleppt, um Kriegsverbrechen und Massentötungen zu verschleiern. 2001 wurden bereits drei Massengräber mit den Überresten von mehr als 830 Albanern gefunden. Nach Ermittlungen einer serbisch-kosovarischen Arbeitsgruppe, die das Schicksal der Vermissten aus dem Kosovo-Krieg klären soll, gelten heute noch mehr als 1800 Menschen als vermisst, die meisten von ihnen albanischer Abstammung.
Bei dem Krieg waren insgesamt 13.000 Menschen getötet worden. Er endete 1999 mit Luftangriffen der NATO auf serbische Ziele und einem Rückzug der Truppen von Milosevic. Im Februar 2008 erklärte das Kosovo seine Unabhängigkeit. Bislang erkannten 65 Länder, darunter die USA und die meisten EU-Staaten, die Unabhängigkeit an. Belgrad hingegen betrachtet das Kosovo noch immer als zu Serbien zugehörig.
AFP
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