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Mittwoch, 12. April 2017

Nach Anschlag auf BVB-Bus: Ermittler prüfen zwei Bekennerschreiben

Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund gibt es konkrete Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen. Zudem kursiert ein zweites Bekennerschreiben.

Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund prüfen die Ermittler zwei Bekennerschreiben - eines mit einem vorgeblich islamistischen Hintergrund, eines im Stil der antifaschistischen Szene. Nach übereinstimmenden Informationen mehrerer Medien nimmt ein am Tatort entdecktes Bekennerschreiben Bezug auf andere Anschläge und Einsätze der Bundeswehr.

Demnach soll das mutmaßliche Bekennerschreiben mit den Worten "Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen" beginnen und sich auch auf den LKW-Anschlag im Dezember 2016 auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin beziehen. Dem Schreiben zufolge sollen Sportler und andere Prominente "in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen" auf einer "Todesliste des Islamischen Staates" stehen.

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Als Grund wird in dem einseitigen und nicht unterschriebenen Schriftstück die Beteilligung von Tornados der deutschen Bundeswehr an einer angeblichen Ermordung von Muslimen im Kalifat des IS genannt. Wörtlich heißt es an Bundeskanzlerin Angela Merkel gerichtet: "Aber anscheinend scherst du dich Merkel nicht um deinen kleinen dreckigen Untertanen. Deine Tornados fliegen immer noch über dem Boden des Kalifats, um Muslime zu Ermorden."

Die Drohung solle so lange bestehen bleiben, bis die deutschen Soldaten und Maschinen aus der im IS-Herrschaftsgebiet operierenden Anti-Terror-Allianz zurückgezogen werden und zudem die US-Luftwaffenbasis im pfälzischen Ramstein geschlossen werde.

Sicherheitskreise bleiben vorsichtig

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernahm offiziell die Ermittlungen. Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Behörden von einem Terroranschlag ausgehen - unabhängig vom Motiv. Die Behörde kündigte für 14.00 Uhr eine Pressekonferenz an. Wie die Zeitung "Die Welt" berichtete, sei außerdem das Bundeskriminalamt (BKA) mit der Ermittlungsarbeit beauftragt worden. Das BKA habe eine Besondere Aufbauorganisation (BAO) in Berlin errichtet.

In Sicherheitskreisen wurde intensiv darauf hingewiesen, dass ein islamistischer Hintergrund weiterhin nicht geklärt sei. Es seien weitere Überprüfungen notwendig. Das am Tatort gefundene Schreiben trage auch keine Symbole der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Es könne sich nach wie vor auch um gewaltbereite Fußballfans, Erpresser oder andere Täter handeln.

Behörden des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen begannen den Angaben zufolge mit einer intensiven Analyse des Schreibens, an der Islam-Wissenschaftler und Forensiker beteiligt seien. Bei der Zuordnung seien die Ermittler sehr vorsichtig, hieß es den Berichten zufolge. Der Vorgang sei sehr ungewöhnlich. Als denkbar gelte auch, dass die tatsächlichen Täter bewusst eine falsche Spur legen wollen.

Zweites Schreiben aufgetaucht

Die Ermittler prüfen ferner die Authentizität eines zweiten Bekennerschreibens, das möglicherweise aus der antifaschistischen Szene kommt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wird in dem am späten Dienstagabend im Internet verbreiteten Schreiben erklärt, der Bus sei mit eigenes für den Anschlag angefertigten Sprengsätzen als "Symbol für die Politik des BVB" attackiert worden, die sich nicht genügend gegen Rassisten, Nazis und Rechtspopulisten einsetze.

Die Betreiber des Internetportals "Indymedia linksunten" erklärten, das angebliche Antifa-Bekennerschreiben sei eine Fälschung. "Wir halten das Schreiben für einen Nazifake", teilten die Betreiber mit. "Weder Inhalt noch Sprache deuten auf einen linken Hintergrund hin, deshalb haben wir es bereits sehr kurz nach der Veröffentlichung gelöscht."

Kurz vor dem Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco waren gestern Abend gegen 19.15 Uhr drei Sprengsätze in der Nähe des Mannschaftsbusses des BVB explodiert, als dieser vom Hotel im Dortmunder Stadtteil Höchsten zum Stadion losfuhr. Dabei wurde der BVB-Spieler Marc Bartra und ein den Bus begleitender Polizist verletzt. Die Partie wird am Abend nachgeholt.

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Quelle: n-tv.de

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