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Der angeklagte Niederländer wird von Freunden und Unterstützern im Gerichtssaal empfangen.
Der angeklagte Niederländer wird von Freunden und Unterstützern im Gerichtssaal empfangen.(Foto: dpa)
Montag, 28. August 2017

Flaschenwurf auf Polizisten: Erster G20-Prozess startet mit Schweigen

Gut sieben Wochen nach dem G20-Gipfel in Hamburg beginnt der erste Prozess gegen einen mutmaßlichen Randalierer. Der Niederländer soll einen Polizisten angegriffen und sich bei seiner Festnahme gewehrt haben. Ihm drohen bis zu zwei Jahre Haft.

Im Zusammenhang mit den Krawallen am Rande des G20-Gipfels in Hamburg hat ein erster Prozess gegen einen mutmaßlichen Gewalttäter begonnen. Der 21-Jährige aus den Niederlanden wurde im Gerichtssaal von rund 50 Zuschauern mit kräftigem Applaus begrüßt - dem NDR zufolge sind viele Unterstützer und Freude aus den Niederlanden angereist. Der Angeklagte sitzt seit dem 7. Juli in Untersuchungshaft.

Ein Berliner Polizist schilderte als Zeuge, wie er am Abend nach der "Welcome to Hell"-Demonstration im Schanzenviertel von zwei Flaschen getroffen wurde. Er habe kurze Zeit einen Schmerz gefühlt, sei aber nicht verletzt worden. Nach dem Angriff sei er losgelaufen und habe den mutmaßlichen Werfer festgenommen, erklärte der Bereitschaftspolizist. Der Niederländer habe sich dagegen gewehrt, indem er sich in "Embryonalstellung" gebracht habe. Der Angeklagte selbst äußerte sich beim Prozessauftakt nicht. Ihm drohen bis zu zwei Jahre Haft.

Der Gipfel der wichtigen Industrie- und Schwellenländer am 7. und 8. Juli war von schweren Ausschreitungen mit Hunderten Verletzten überschattet worden. Die Demonstration "Welcome to Hell" vom 6. Juli hatten Sprecher des linksautonomen Zentrums "Rote Flora" angemeldet.

Nach den gewalttätigen Ausschreitungen wurden insgesamt 51 Haftbefehle erlassen. Derzeit befinden sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch 32 Beschuldigte in Untersuchungshaft.

Pole steht am Dienstag vor Gericht

Bereits am Dienstag soll ein weiterer Angeklagter aus Polen vor Gericht kommen. Der 24-Jährige wird beschuldigt, gegen das Bewaffnungsverbot verstoßen zu haben. Laut NDR soll er in seinem Rucksack sechs Feuerwerkskörper, ein nicht zugelassenes Reizstoffsprühgerät, eine Taucherbrille sowie zwei Murmeln, die sich als Zwillengeschosse eignen - transportiert haben.

Insgesamt wurden 109 Ermittlungsverfahren gegen namentlich bekannte Personen eingeleitet. Weitere 64 Verfahren laufen gegen unbekannt, berichtet der NDR. Die Vorwürfe lauten unter anderem Landfriedensbruch, Körperverletzung sowie Sachbeschädigung. In schweren Fällen drohen den Beschuldigten demnach bis zu zehn Jahre Haft. Auch 18 Verfahren gegen Polizisten wurden eingeleitet, weitere interne Polizeiermittlungen laufen.

Quelle: n-tv.de

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