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Grund für Optimismus: Griechenlands Finanzminister Tsakalotos in Brüssel.
Grund für Optimismus: Griechenlands Finanzminister Tsakalotos in Brüssel.(Foto: picture alliance / dpa)

Neuer Schuldengipfel schon Sonntag: Eurogruppe geht auf Griechen zu

Die Lösung der Griechenland-Krise wird beim Eurogipfel erneut vertagt. Doch nach der heftigen Kritik der Gläubiger an Athen in den vergangenen Tagen verbessert sich die Stimmung. Kompromisse scheinen plötzlich möglich.

Die Eurogruppe will Griechenland nach Angaben des neuen Finanzministers Euklid Tsakalotos eine "neue Chance" geben. Der "politische Wille" dazu sei da, sagte Tsakalotos. Bei dem Treffen der Finanzminister der Eurogruppe am Nachmittag habe es "Fortschritte" gegeben, sagte er, ohne nähere Angaben dazu zu machen. Beim anschließenden Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder hieß es, bereits am kommenden Sonntag könnte ein weiterer Gipfel stattfinden.

Nach dem Nein der Griechen zu den Gläubigervorschlägen beim Referendum am Sonntag hatten zahlreiche Vertreter der Eurogruppe und vor allem deutsche Politiker betont, dass weitere Hilfen für Griechenland kaum oder gar unmöglich seien. Zudem war immer wieder betont worden, dass es nun an Athen sei, Vorschläge vorzulegen, wie die Krise trotz des Votums der Wähler überwunden werde könne. Auf dem Brüsseler Treffen signalisierten die Gläubiger dagegen mögliche Zugeständnisse, etwa bei der Restrukturierung der griechischen Schulden.

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Der Varoufakis-Nachfolger brachte zwar nicht die von den Gläubigern angemahnten neuen Vorschläge mit nach Brüssel. Doch die sollten, so hieß es aus der Eurogruppe, noch am Abend nachgereicht werden. Im Wesentlichen soll es sich um den bereits abgelehnten Antrag Griechenlands von vergangener Woche für ein weiteres 29-Milliarden-Hilfsprogramm handeln - allerdings mit Nachbesserungen.

Der irische Finanzminister Michael Noonan bestätigte den Optimismus seines griechischen Kollegen. Die Ministerrunde sei offen für eine Restrukturierung der griechischen Staatsschulden. "Es gibt ein allgemeines Gefühl, dass eine Umgestaltung der Schulden akzeptabel wäre", sagte er dem Rundfunksender RTE. Eine Übertragung von Schulden vom IWF und der EZB auf den Rettungsfonds ESM sowie längere Laufzeiten und ein Teilerlass sind Kernforderungen der griechischen Regierung.

Athen fordert Übergangshilfe

Zudem brachte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras eine Übergangsfinanzierung ins Spiel, um die Zeit bis zum Beschluss eines möglichen neuen Hilfspakets zu überbrücken. Dies besprach er unter anderem in einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Frankreichs Präsident Francois Hollande vor Beginn des Gipfels. Griechenland erhofft sich von dem Treffen einen politischen Vorstoß, der es der EZB ermöglichen würde, finanzielle Hilfe zu geben. "Dafür wird Griechenland einige von dem Land geforderte Veränderungen in Gang setzen", sagte ein Athener Regierungsvertreter.

Auch die Staats- und Regierungschefs stellten Athen offenbar Zugeständnisse in Aussicht. Zwar mahnte Merkel vor Beginn des Gipfels erneut Sparmaßnahmen und Reformen in Griechenland als Gegenleistungen für Hilfen an. Doch sie sprach sich auch für "Solidarität" mit dem Krisenland aus und mahnte zur Eile bei der Suche nach eine Lösung.

Auch Italiens Regierungschef Matteo Renzi sieht gute Chancen auf eine baldige Einigung. Eventuell könne bereits auf dem Gipfel am Abend eine Lösung in Grundzügen erarbeitet werden.

Quelle: n-tv.de

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