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Sonntag, 22. Januar 2017

"Selbstverherrlichung" in Langley: Ex-CIA-Chef: Trump sollte sich schämen

So ganz klar ist wohl selbst Donald Trump sein Verhältnis zu den US-Geheimdiensten nicht. Kürzlich warf er ihnen Nazi-Methoden vor, nun sagt er bei einem Besuch in der CIA-Zentrale: "Ich liebe Euch". Dennoch ist Ex-CIA-Direktor Brennan "tieftraurig und verärgert".

Der ehemalige CIA-Direktor John Brennan hat den neuen US-Präsidenten Donald Trump scharf kritisiert. Nach Trumps Antrittsbesuch in der CIA-Zentrale in Langley, die er zu einem heftigen Angriff auf die Medien nutzte, zeigte sich Brennan erzürnt, wie ein ehemaliger Mitarbeiter mitteilte.

"Der frühere CIA-Direktor Brennan ist tieftraurig und verärgert über Donald Trumps verabscheuenswürdige Darstellung der Selbstverherrlichung vor der CIA-Gedenkwand mit den Helden der Agentur", twitterte der frühere stellvertretende CIA-Stabschef Nick Shapiro. "Brennan sagt, dass Trump sich schämen solle."

Bei seinem Besuch in Langley hatte Trump scharf die Medien kritisiert, die angeblich falsche Zahlen über die Teilnehmer während seiner Inauguration verbreitet hätten. "Wir hatten ein riesiges Feld voller Leute, Ihr habt das gesehen", so Trump. "Ehrlich, es sah aus wie eineinhalb Millionen Menschen, was auch immer", so Trump weiter. Von den Stufen des Kapitols bis zu dem Marmorturm des Washington Monument hätten Menschen gestanden. Aber die Medien hätten ein leeres Feld gezeigt und von 250.000 Teilnehmern gesprochen. "Es ist eine Lüge".

Trump bezieht sich damit auf Kritik, dass zu seiner Inauguration weniger Menschen als zur Amtseinführung seines Vorgängers Barack Obama 2009 gekommen seien. Trumps Pressesprecher Sean Spicer sagte dazu: "Das war die größte Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat".

Trump: "Unehrliche" Medien erfinden Fehde

Zugleich warf Trump in Langley den "unehrlichen" Medien vor, einen Disput zwischen ihm und der CIA erfunden zu haben. "Sie gehören zu den unehrlichsten Menschen auf der Erde." Und sie hätten den Eindruck vermittelt, als hätte ich eine "Fehde mit der Geheimdienst-Community". Aber genau das Gegenteil sei der Fall.

Anfang Januar war ein Dossier ans Licht gekommen, demzufolge die Russen angeblich kompromittierendes Material über Trump besitzen. Daraufhin warf Trump den US-Geheimdiensten vor, das Dossier durchgestochen zu haben, und er sprach von Nazi-Methoden.

Jetzt wollte Trump von diesem Disput nichts mehr wissen. "Ich bin zu 1000 Prozent auf Eurer Seite", sagte er in Langley. Die Geheimdienste hätten zuletzt vielleicht nicht immer den Rückhalt bekommen, den sie wünschten. Mit seinem Amtsantritt würden sie ihn nun bekommen.

Ob das die Geheimdienstleute ähnlich sehen, ist laut Shapiro fraglich. Die CIA-Mitarbeiter seien nach der Rede "völlig verwirrt" gewesen.

Vor Trumps Amtsantritt hatte es aus den Reihen der CIA heftige Kritik an Trump gegeben. "Spontaneität ist nicht etwas, das die nationalen Sicherheitsinteressen schützt", sagte Brennan, damals noch Geheimdienstchef, in einem Interview. Zur Sicherheit der USA könne Trump besser beitragen als durch Tweets und Äußerungen. Trump müsse in dieser Hinsicht künftig "sehr diszipliniert" sein. "In ein paar Tagen wird er der mächtigste Mensch der Welt sein, indem er an der Spitze der US-Regierung steht, und ich meine, er muss sich bewusst werden, dass seine Worte Folgen haben".

Brennan trat mit dem Amtsende von Präsident Barack Obama zurück. Derzeit ist die CIA ohne einen festen Chef. Als Nachfolger hat Trump den republikanischen Abgeordneten Mike Pompeo nominiert, doch dessen Bestätigung durch den Senat verzögert sich wegen Einsprüchen eines Demokraten.

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Quelle: n-tv.de

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