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Blutiges Ende im Konflikt mit der Staatsgewalt: Die Straßensperre aus der Luft, Robert "LaVoy" Finicum steht mit erhobenen Armen links neben dem weißen Geländewagen.
Blutiges Ende im Konflikt mit der Staatsgewalt: Die Straßensperre aus der Luft, Robert "LaVoy" Finicum steht mit erhobenen Armen links neben dem weißen Geländewagen.(Foto: REUTERS)

Militante "Bürgerwehr" in Oregon: FBI veröffentlicht Todesvideo

Was geschah an der Straßensperre? Die tödlichen Schüsse bei einer Festnahme in Oregon drohen den Konflikt zwischen extremen Rechten und der US-Regierung zu verschärfen. Mit ernüchternden Bildern treten die Behörden etwaigen Heldenmythen entgegen.

Die US-Bundespolizei FBI hat Videoaufnahmen von dem Polizeieinsatz gegen eine selbsternannte "Bürgerwehr" im Bundesstaat Oregon veröffentlicht. Dabei war vor drei Tagen ein Mann getötet worden. Die offenbar von einem Helikopter aufgenommenen Luftaufnahmen zeigen unter anderem, wie Robert "LaVoy" Finicum, der Sprecher der Miliz, erschossen wird. Das FBI warnte, dass die Szene "für einige Menschen erschütternd" sein dürften, betonte aber, das Video "im Interesse der Transparenz" öffentlich zeigen zu wollen.

"Im Interesse der Transparenz": Special Agent Greg Bretzing.
"Im Interesse der Transparenz": Special Agent Greg Bretzing.(Foto: imago/ZUMA Press)

In den Aufnahmen sind zunächst zwei Wagen auf einer Landstraße zu sehen, die von Einsatzfahrzeugen verfolgt werden. Ein Wagen wird angehalten, drei Männer steigen aus und werden festgenommen, darunter der Anführer der Bürgerwehr, Ammon Bundy. Der zweite Wagen - ein weißer Geländewagen - fährt weiter, hält an, und ein weiterer Mann ergibt sich.

Mehrere Personen ziehen es vor, im Inneren des Wagens auszuharren, darunter auch Finicum. Plötzlich gibt der Fahrer wieder Gas, rast - vom Hubschrauber verfolgt - die tief verschneite Strecke entlang, bis der Weg hinter einer Kurve plötzlich von Straßensperren der Polizei blockiert ist. Beim Versuch auszuweichen, gerät der schwere Geländewagen ins Schleudern, verfehlt einen Polizeibeamten um Haaresbreite und bleibt schließlich im Graben in einer Schneeverwehung stecken.

Schwere Waffen im Wagen

Finicum steigt aus, läuft eine Weile durch den Schnee, während die anderen Männer im Auto warten. Finicum hebt deutlich erkennbar beide Hände, wie um sich zu ergeben, überlegt es sich dann jedoch offenbar anders: Als er sich einem Beamten zuwendet und in seine Tasche greift, eröffnen die Beamten das Feuer und strecken ihn mit mindestens einem gezielten Schuss aus kurzer Distanz nieder.

Nach Angaben des zuständigen FBI-Ermittler Greg Bretzing war der Mann bewaffnet. Finicum soll während des Festnahmversuchs mit seiner rechten Hand in die linke Innentasche seiner Jacke gegriffen haben. Daraufhin sei er von der Polizei erschossen worden, sagte Bretzing. Wie sich später herausstellte, befand sich dort eine geladene halbautomatische Pistole im Kaliber neun Milimeter.

Mit Jagdgewehr und Cowboyhut: Bei der Besetzung des Nationalparkgebäudes trat Robert "LaVoy" Finicum stets als wild entschlossener Hardliner auf.
Mit Jagdgewehr und Cowboyhut: Bei der Besetzung des Nationalparkgebäudes trat Robert "LaVoy" Finicum stets als wild entschlossener Hardliner auf.(Foto: AP)

Die Sicherheitskräfte an der Straßensperre seien vorgewarnt gewesen, hieß es, dass der flüchtige Finicum und seine Begleiter wahrscheinlich bewaffnet sind. Entsprechend alarmiert gingen sie vor: Kurz nach dem tödlichen Schuss feuerten die Beamten Blendgranaten und Reizgas in Richtung der übrigen Fahrzeuginsassen. Sie konnten daraufhin ohne Gegenwehr festgenommen werden. Im Inneren des Fahrzeugs wurden den Angaben zufolge drei weitere geladene Schusswaffen sichergestellt, darunter zwei halbautomatische Gewehre im Kaliber .223 und einen schweren Revolver im Kaliber .38. Erst nach der Festnahme der Fahrzeuginsassen konnten sich FBI-Ermittler und Trooper des Bundesstaats um den tödlich verletzten Finicum kümmern. Zu diesem Zeitpunkt war er allerdings allem Anschein nach bereits tot.

Unerbittlich gegen den Staat

Mitglieder der Bürgerwehr, Rancher und andere Aktivisten hatten vor drei Wochen die Kontrolle über den Naturpark Malheur National Wildlife Reserve im Bezirk Harney übernommen und sich in einem Verwaltungsgebäude verschanzt. Die Gruppe wollte mit ihrer Aktion zwei Landwirten beistehen, die wegen Brandstiftung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden waren. Der festgenommene Anführer Bundy rief die letzten Besetzer inzwischen auf, die Aktion zu beenden.

Nach der Festnahme der Rädelsführer dauert die Besetzung eines Naturparks in dem US-Staat jedoch weiter an. Wie der zuständige FBI-Koordinator Bretzing in einer Pressekonferenz mitteilte, gehen die Ermittler davon aus, dass sich noch vier Menschen auf dem Gelände aufhalten. Elf Mitglieder der "Bürgerwehr" sitzen in Untersuchungshaft. Die Bundespolizei würde zusammen mit lokalen Behörden unermüdlich daran arbeiten, die Besetzer zu einer friedlichen Aufgabe zu bewegen, sagte Bretzing.

Die Gruppe um Ammon Bundy hatte den staatlichen Gebäudekomplex in dem ländlichen Gebiet Anfang Januar besetzt. Sie protestieren gegen eine angebliche Landnahme der US-Regierung. Der bei dem Zwischenfall an der Straßensperre erschossene Finicum zählte zum Kreis der Rädelsführer und trat gegenüber Presse und Öffentlichkeit als Sprecher der "Bürgerwehr" auf. Dabei hatte er mehrfach verschiedene Waffen vorgezeigt und auch keinen Zweifel an seiner Absicht gelassen, die Waffen gegebenfalls auch gegen Vertreter der US-Regierung einzusetzen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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