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Spezialeinsatzkräfte der Polizei am Einsatzort in Subirats: Terrorfahnder konzentrieren sich auf das Umfeld der Hauptverdächtigen.
Spezialeinsatzkräfte der Polizei am Einsatzort in Subirats: Terrorfahnder konzentrieren sich auf das Umfeld der Hauptverdächtigen.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 22. August 2017

Terroranschlag in Barcelona: Fahnder suchen Abouyaaquoubs Helfer

In Spanien laufen die Terrorermittlungen auf Hochtouren. Am Tag nach den tödlichen Schüssen auf den Hauptverdächtigen in Subirats rätseln Beobachter, wie der junge Mann nach dem Anschlag in der Millionenstadt unentdeckt entkommen konnte.

Die spanische Polizei sucht nach Helfern des mutmaßlichen Barcelona-Attentäters. Der am Vortag bei einer Polizeikontrolle erschossene Hauptverdächtige Younes Abouyaaquoub müsse auf der Flucht Hilfe gehabt haben, sagte der Justizminister der katalanischen Regierung, Carlos Mundo, dem Catalunya Radio.

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"Es ist eindeutig, dass er in irgendeiner Form eine Logistik gehabt haben muss", betonte Mundo. Der 22-jährige Marokkaner Abouyaaquoub soll der Fahrer des Lieferwagens gewesen sein und damit in Barcelona Passanten überfahren und dabei 13 Menschen getötet haben. Auf der Flucht soll er dann einen Mann erstochen und dessen Fahrzeug gestohlen haben.

Flucht aus einer Millionenstadt

Ersten Erkenntnissen zufolge müsste der 22-Jährige - ohne Hilfe durch Unterstützer - binnen kurzer Zeit rund 40 Kilometer vom Stadtrand Barcelonas bis nach Subirats gelaufen sein, berichtete die in der Region erscheinende Zeitung "La Vanguardia". In Subirats, einer ländlichen Gemeinde westlich der katalanischen Metropole, fiel er dann aufmerksamen Polizeibeamten auf. Als sich ihm mehrere Beamte näherten, eskalierte die Situation.

Der mit Messern und einer Art Sprengstoffgürtel bewaffnete junge Mann widersetzte sich nach Angaben der Polizei laut rufend seiner Festnahme. Angesichts der drohenden Gefahr, die von dem Sprengstoffgürtel auszugehen schien, eröffneten die Beamten das Feuer. Abouyaaquoub wurde angeschossen und erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Der Sprengstoffgürtel stellte sich später als Attrappe heraus.

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Unter Berufung auf mit den Ermittlungen vertraute Personen heißt es in dem Bericht von "La Vanguardia" weiter, dass der Marokkaner auf der Flucht seine Kleidung wechselte und womöglich während der Nacht lief, um sich tagsüber zu verstecken. Wie ihm das im Umfeld einer rund 1,6 Millionen Einwohner zählenden Großstadt unerkannt gelingen konnte, ist nun Gegenstand intensiver Ermittlungen.

Vier Terrorverdächtige vor Gericht

Abouyaaquoub war das einzige noch flüchtige Mitglied der zwölf Personen umfassenden islamistischen Zelle, die hinter den Anschlägen von Barcelona und Cambrils am Donnerstag stecken soll. Die vier noch lebenden Mitglieder der Islamistenzelle erschienen am Dienstag in Madrid erstmals vor Gericht. Nach Angaben aus Justizkreisen handelt es sich dabei um Mohamed Houli Chemlal, Driss Oukabir, Mohammed Aallaa und Salh El Karib.

Houli Chemlal ist spanischer Staatsbürger und stammt aus der spanischen Exklave Melilla im Norden Marokkos. Der 21-Jährige zog sich am vergangenen Mittwoch Verletzungen zu, als sich in einem Haus in Alcanar eine gewaltige Explosion ereignete. In diesem Haus hatten die Attentäter nach dem Stand der Ermittlungen ein Lager mit Chemikalien zur Herstellung von Sprengstoff angelegt. Wegen des Fundes von Gasflaschen gehen die Ermittler davon aus, dass das vollkommen zerstörte Gebäude in Alcanar die Bombenwerkstatt der Zelle war.

Der zweite aus der Vierergruppe vor Gericht ist Driss Oukabir, dessen Pass in dem verlassenen Lieferwagen nach dem Anschlag gefunden worden war. Er hatte sich selbst der Polizei gestellt, seine Unschuld betont und erklärt, sein jüngerer Bruder habe seine Dokumente gestohlen.

Doppelanschlag in Barcelona und Cambrils: Ein Teil der Terrorverdächtigen stammt aus Ripoll. Die beiden Hauptverdächtigen starben in Subirats und Alcanar.
Doppelanschlag in Barcelona und Cambrils: Ein Teil der Terrorverdächtigen stammt aus Ripoll. Die beiden Hauptverdächtigen starben in Subirats und Alcanar.(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Sein Bruder Moussa Oukabir war Donnerstagnacht im Ferienort Cambrils zusammen mit vier anderen Mitgliedern der Zelle erschossen worden, nachdem sie zuvor eine Frau getötet hatten. Die Attentäter trugen - wie Abouyaaquoub - ebenfalls Sprengstoffgürtel-Attrappen. Sie waren zudem mit Messern und Äxten bewaffnet.

Der dritte Mann vor Gericht ist der Besitzer des Audis,  der in Cambrils bei der Tat genutzt wurde, - der 27-jährige Mohammed Aallaa. Er ist ein Bruder von Youssef Aallaa, dessen Verbleib noch nicht zweifelsfrei geklärt ist. Ermittler vermuten, dass er bei der Explosion in Alcanar starb. Eine Bestätigung dafür steht noch aus.

Bei der vierten Person, die sich vor Gericht verantworten musste, soll es sich um Salh El Karib handeln. Er ist Presseberichten zufolge 34 Jahre alt. Er betrieb in der Kleinstadt Ripoll eine Art Internetcafé mit Call-Shop zur Vermittlung günstiger Auslandsgespräche. Von seinem Laden aus wurde laut "La Vanguardia" regelmäßig Geld nach Marokko geschickt. El Karib gilt als ein Freund von Driss Oukabir. In dem Ort Ripoll am Fuß der Pyrenäen lebten mehrere der Terrorverdächtigen bis zu dem verheerenden Doppelanschlag ein offenbar vollkommen unauffälliges Leben.

Tatfahrzeug in Paris geblitzt

Der französische Innenminister Gérard Collomb bestätigte unterdessen Presseberichte, wonach der bei dem Anschlag in Cambril benutzte dunkle Audi A3 rund eine Woche vor dem Anschlag wegen überhöhter Geschwindigkeit in Paris geblitzt worden war. Details seien noch unklar, sagte er. Möglich ist, dass der Wagen dort gestohlen wurde.

Den Verbleib des mutmaßlichen Anstifters der Terrorgruppe konnten die spanischen Behörden zu Wochenbeginn klären: Der dringend tatverdächtige Imam Abdelbaki Es Satty kam demnach bereits am vergangenen Mittwochabend bei der Explosion in Alcanar ums Leben. Die Identität einer der beiden in den Trümmern des Anwesens aufgefundenen Leichen konnte erst zu Wochenbeginn bestätigt werden.

Acht Verletzte noch in Lebensgefahr

Die Attentäter von Barcelona und Cambrils sollen von dem aus Marokko stammenden Imam radikalisiert worden sein. Zu dem Anschlag in Barcelona hatte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Die Anhörung im Staatsgerichtshof in Madrid fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ermittlungsrichter Fernando Andreu soll nach der Anhörung die Anklagepunkte gegen die vier Verdächtigen festlegen. Nach den Anschlägen werden noch immer 48 Verletzte im Krankenhaus behandelt, von denen acht in Lebensgefahr schweben.

Quelle: n-tv.de

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