Politik
König Felipe äußerte sich in einer Fernsehansprache.
König Felipe äußerte sich in einer Fernsehansprache.(Foto: imago/PPE)
Dienstag, 03. Oktober 2017

"Stabilität Spaniens in Gefahr": Felipe erhebt Vorwürfe in Katalonien-Krise

700.000 Menschen gehen nach Angaben der Behörden in Katalonien auf die Straßen, um gegen die Polizeigewalt zu demonstrieren. Derweil wendet sich der spanische König Felipe an sein Volk - und erhebt schwere Vorwürfe gegen die katalanische Regionalregierung.

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Nach dem Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien hat sich erstmals Spaniens König Felipe VI. in den Konflikt eingeschaltet - und scharfe Vorwürfe gegen die Regionalregierung in Barcelona gerichtet. "Mit ihrem unverantwortlichen Verhalten können sie die wirtschaftliche und soziale Stabilität Kataloniens und ganz Spaniens in Gefahr bringen", sagte das Staatsoberhaupt in einer Fernsehansprache.

"Angesichts dieser Situation von extremer Tragweite" sei es die Pflicht der "legitimen" Staatsführung, "die verfassungsmäßige Ordnung und das normale Funktionieren der Institutionen sicherzustellen", sagte der spanische König. Die führenden katalanischen Politiker hätten sich mit ihrem Verhalten "außerhalb von Recht und Demokratie" gestellt und die katalanische Gesellschaft gespalten. Das Königshaus bleibe der Verfassung und Einheit des Landes verpflichtet.

Am Sonntag hatten die Katalanen trotz der klaren Warnungen der Regierung in Madrid ein Referendum über die Unabhängigkeit der nordostspanischen Region abgehalten. Die spanische Polizei war daraufhin mit Gewalt gegen das vom Verfassungsgericht als rechtswidrig eingestufte Referendum vorgegangen.

Polizisten schlossen Wahllokale, beschlagnahmten Abstimmungsunterlagen und hinderten Menschen mit Schlagstöcken und Gummigeschossen an der Stimmabgabe. Nach katalanischen Angaben ließen sich nach der Polizeigewalt mehr als 840 Menschen ärztlich behandeln.

Deshalb fand in Katalonien ein Generalstreik statt, um gegen die Polizeigewalt zu demonstrieren. Bei mehreren Kundgebungen in Barcelona strömten nach neuen Angaben der städtischen Polizei etwa 700.000 Menschen zusammen. Sie wandten sich gegen den von Madrid angeordneten Einsatz polizeilicher Gewalt gegen Referendumsteilnehmer und forderten in Sprechchören unter anderem "Besatzungskräfte raus!".

90 Prozent der Wähler in Katalonien hatten nach Angaben der Regionalregierung am Sonntag für die Loslösung der wohlhabenden Region von Spanien gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag demnach aber nur bei 42 Prozent. Welche Konsequenzen die Abstimmung noch haben wird, ist derzeit völlig offen.

Quelle: n-tv.de

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