Donnerstag, 09. September 2010
"Kubanisches Modell funktioniert nicht": Fidel Castro zweifelt
Der frühere kubanische Staatschef Castro zeigt sich einsichtig und hält das kubanische politische Modell nicht mehr für einen Exportschlager. Zugleich kritisiert er den iranischen Präsidenten.
Ein Plakat mit Fidel und Raul Castro in einer kubanischen Apotheke.
(Foto: REUTERS)
Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro hat laut einem US-Medienbericht erstmals Zweifel am politischen System in seiner Heimat geäußert. "Das kubanische Modell funktioniert nicht einmal mehr für uns", sagte der 84-Jährige Castro dem amerikanischen Journalisten Jeffrey Goldberg, der gefragt hatte, ob das kubanische System noch immer exportwürdig sei. Goldberg war von der Regierung zu dem Interview mit Castro nach Havanna eingeladen worden war. Sein Artikel wurde im US-Magazins "The Atlantic" in zwei Teilen veröffentlicht.
Der US-Journalist hatte die Kuba-Kennerin Julia Sweig gebeten, an dem Gespräch mit Castro teilzunehmen, um bei der Analyse der Antworten zu helfen. Sweig sagte, Castro habe mit seiner Äußerung nicht die Revolution zurückgewiesen. "Für mich war es die Feststellung, dass im kubanischen System der Staat eine zu große Rolle im Wirtschaftsleben einnimmt", erklärte sie.
Castro kritisierte gleichzeitig den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad für dessen Holocaust-Leugnung. Es sei der Sache des Friedens dienlicher, die Einmaligkeit der Geschichte des Antisemitismus anzuerkennen und zu versuchen, zu verstehen, warum die Israelis um ihre Existenz fürchteten, sagte Castro.
Castro war lange wegen Krankheit nicht mehr in der Öffentlichkeit in Erscheinung getreten. Erst im Juli dieses Jahres meldete er sich zurück und ist seitdem mehrmals öffentlich aufgetreten. Castro, der Kuba 47 Jahre regiert hatte, ist immer noch der Generalsekretär der alleinregierenden kommunistischen Partei Kubas.
Reformen in Kuba
Erst vor einem Monat hatte Präsident Raul Castro den Kubanern Lockerungen in Richtung Marktwirtschaft verkündet, um die sieche Wirtschaft anzukurbeln. In einer Rede vor der Nationalversammlung kündigte der Bruder und Nachfolger Fidel Castros an, dass Selbstständige leichter ihr Unternehmen anmelden könnten und dabei auch Arbeitskräfte einstellen dürften.
Mit der Lockerung sollen nach Castros Vorstellungen neue Jobs für etwa eine Millionen Kubaner entstehen, die in den nächsten fünf Jahren ihre Arbeitsplätze in Staatsunternehmen verlieren dürften. Er nannte allerdings keine konkrete Zahlen, wie viele neue Zulassungen für Kleinunternehmer auf den Markt kommen sollten. Wirtschaftsminister Marino Murillo hatte nach der Rede des Präsidenten umgehend betont, es gehe nicht um eine grundlegende Reform des sozialistischen Modells. Der Staat müsse die Kontrolle über die Wirtschaft behalten, zumindest über die wichtigsten Dinge.
dpa/rts
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