Politik
Fillon feiert seinen Sieg.
Fillon feiert seinen Sieg.(Foto: REUTERS)
Sonntag, 27. November 2016

Frankreichs Konservative entscheiden: Fillon kandidiert bei Präsidentschaftswahl

Die französischen Konservativen wählen mit großer Mehrheit den ehemaligen Premier François Fillon zu ihrem Präsidentschaftskandidaten. Er besiegt seinen Rivalen Juppé in einer Stichwahl - und hat nun gute Chancen auf das höchste Staatsamt.

Die französischen Konservativen schicken Ex-Premierminister François Fillon ins Rennen für einen Machtwechsel im Élyséepalast. Der 62-Jährige setzte sich bei der Stichwahl um die Präsidentschaftskandidatur des bürgerlichen Lagers klar gegen seinen Konkurrenten Alain Juppé durch. Dieser räumte seine Niederlage ein und sicherte Fillon seine Unterstützung für den bevorstehenden Wahlkampf zu.

Fillon rief seine Partei in einer Siegesrede in Paris zum Zusammenhalt auf: "Ich werde alle brauchen", sagte er mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2017. Er nannte neben Juppé auch Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy, der überraschend in der ersten Runde der Vorwahl ausgeschieden war. Die Wähler des bürgerlich-konservativen Lagers hätten in ihm die "französischen Werte" gesehen, sagte Fillon in seiner Siegesrede.

Nach Auszählung von vier Fünfteln der Wahllokale lag Fillon mit mehr als 67 Prozent der Stimmen klar vorn. Die Vorwahl des bürgerlichen Lagers galt als wichtige Weichenstellung für die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr: Umfragen lassen derzeit ein Duell zwischen dem konservativen Bewerber und der Rechtspopulistin Marine Le Pen erwarten. Der politisch angeschlagene sozialistische Amtsinhaber François Hollande hat noch nicht erklärt, ob er wieder antritt.

Für Ende der Russland-Sanktionen

Fillon gilt als Wirtschaftsliberaler und will dem Land einen Sparkurs verordnen. Er will eine halbe Million Jobs im öffentlichen Dienst streichen und seine Landsleute länger arbeiten lassen. Frankreich sei im Zustand einer Fast-Pleite, warnte er im Vorwahlkampf. Der frühere Regierungschef des damaligen Präsidenten Sarkozy (2007 bis 2012) galt im Rennen der bürgerlichen Rechten lange als Außenseiter. Er setzte sich dann aber bereits in der ersten Runde der Vorwahl mit gut 44 Prozent der Stimmen deutlich durch.

Der Ex-Premier gilt zudem als russlandfreundlich und tritt dafür ein, die europäischen Wirtschaftssanktionen gegen Moskau zu beenden. Nach Einschätzung des deutschen Europaabgeordneten Sven Giegold von den Grünen ist der Sieg Fillons eine Wahlkampfhilfe für Front-National-Chefin Le Pen. "Öffentliche Ausgaben um 100 Milliarden (Euro) zu kürzen und eine halbe Million Jobs im öffentlichen Dienst zu streichen, sind bei hoher Arbeitslosigkeit die besten Mittel, um den Rechtspopulismus zu stärken", schrieb Giegold vor Bekanntgabe des Ergebnisses.

Le Pen attackiert umgehend

Le Pen schaltete umgehend auf Attacke: Sie kritisierte Fillons Vorschläge im Sender Europe 1 als "schlimmstes Programm sozialen Kahlschlags, das jemals existiert hat". Die Vorwahl - eine Premiere für Frankreichs Konservative - war von Überraschungen geprägt. Viele hatten mit einer Stichwahl zwischen dem gemäßigt-konservativen Veteranen Juppé und Ex-Staatschef Sarkozy gerechnet. Doch Fillons überraschender Aufstieg bedeutete das Aus für Sarkozy im ersten Wahlgang vor einer Woche.

Nun rief Sarkozy zur Einheit auf: "Jetzt ist für unsere politische Familie die Zeit gekommen, sich um François Fillon zu versammeln, um den Machtwechsel zu garantieren, den Frankreich 2017 mehr denn je braucht", teilte der Ex-Präsident mit.

An der Stichwahl nahmen nach Angaben der Organisatoren mehr Menschen teil als an der ersten Runde - zur Wahl war jeder französische Wahlberechtigte aufgerufen, eine Parteimitgliedschaft war nicht notwendig. Damals hatten knapp 4,3 Millionen Anhänger der bürgerlichen Rechten ihre Stimmen abgegeben. Der mit schlechten Umfragewerten kämpfende Präsident Hollande will im Dezember erklären, ob er sich um eine zweite Amtszeit bewirbt. Er ist im eigenen Lager in Bedrängnis - auch Premierminister Manuel Valls gilt als potenzieller Kandidat der Sozialisten.

Quelle: n-tv.de

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