Politik

Thailands Militär unter VerdachtFlüchtlinge an Schlepper gegeben?

21.01.2013, 12:03 Uhr
thailand
Im Flüchtlingslager kommen viele Menschen gar nicht erst an. Flüchtlinge werden offenbar schon auf See gezwungen, auf Boote der Schlepper umzusteigen. (Foto: picture alliance / dpa)

Das thailändische Militär soll Bootsflüchtlinge an Menschenschmuggler verschachert haben. Diese behandeln ihre Opfer wie Sklaven. Die Regierung nimmt die Vorwürfe offenbar ernst. Fraglich ist, ob sie sich gegen das Militär durchsetzt.

Das thailändische Militär steht im Verdacht, mit Menschenschmugglern unter einer Decke zu stecken. Militärangehörige sollen Schleppern birmanische Flüchtlinge in die Arme getrieben haben, berichten Lokalzeitungen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) fordert die Regierung auf, diese Berichte zu prüfen.

Die Opfer sollen muslimische Rohingya aus dem Westen Birmas sein. Dort brodelt seit Monaten ein Konflikt zwischen Buddhisten und Muslimen. Bei Unruhen kamen seit Juni 100 Menschen ums Leben und weitere 60.000 wurden vertrieben. Rohingyas werden in Birma drangsaliert. Die Regierung behandelt sie wie illegale Einwanderer und gesteht den teils seit Generationen dort lebenden Menschen die Staatsangehörigkeit nicht zu. Viele flüchten, über das Meer. Im Süden Thailand kamen seit Anfang des Jahres schon mehr als 1000 Bootsflüchtlinge an.

Ist die Regierung mutig genug?

Den Berichten zufolge soll das Militär Flüchtlinge auf See schon gezwungen haben, auf Boote der Schlepper umzusteigen. In anderen Fällen sollen die Flüchtlinge in Armeelastwagen zum Standort der Schlepper gebracht worden sein. Die Schlepper bringen die Leute dann zu Wucherpreisen nach Malaysia. Um die Kosten zu decken, müssen sie anschließend oft monatelang umsonst arbeiten.

"Die Regierung nimmt die Vorwürfe offenbar ernst, aber die Frage ist, ob sie mutig genug ist, Militärangehörige an den Pranger zu stellen", sagte HRW-Sprecher Sunai Phasuk.

"Wenn wir rausfinden, dass jemand an solchen Machenschaften beteiligt war, wird er bestraft", sagte der Oberkommandierende General Prayuth Chan-Ocha. Er verwies aber darauf, dass die Rohingya keinen Flüchtlingsstatus hätten, sondern als illegale Einwanderer betrachtet werden. Thailand will die Menschen nicht aufnehmen und erkennt nicht an, dass sie in ihrer Heimat verfolgt werden.

Quelle: ntv.de, dpa