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Immer mehr Menschen fliehen vor den Kämpfen in Syrien.
Immer mehr Menschen fliehen vor den Kämpfen in Syrien.(Foto: REUTERS)

Syrien startet Charmeoffensive: Flüchtlinge sollen heimkehren

Syriens Regierung fordert alle Exil-Oppositionellen und Flüchtlinge auf, zurückzukehren. Doch die Assad-Gegner trauen dem Braten nicht. Täglich verlassen mehr Menschen das Land. Seit Beginn des Bürgerkriegs sind es schon mehr als eine halbe Million.

Nachdem mehr als 60.000 Menschen im syrischen Bürgerkrieg ihr Leben verloren haben, versucht es das Regime von Präsident Baschar al-Assad jetzt mit Freundlichkeit. Innenminister Mohammed al-Schaar erklärte, alle Oppositionellen könnten nach Syrien zurückkehren, um an dem von Präsident Assad initiierten nationalen Reformdialog teilzunehmen.

Auch alle anderen Syrer, die "wegen der Ereignisse" ihre Heimat verlassen hätten, dürften zurückkehren, "gleichgültig ob sie die Grenze legal oder illegal überquert hätten". Die Rückkehr sei auch ohne gültige Identitätskarte oder Reisepass möglich.

Die Opposition nahm dieses Angebot nicht ernst. Das Koordinierungskomitee für die Syrische Revolution in der Stadt Hama schrieb auf seiner Facebook-Seite: "Bei Gott, lacht nicht, das ist kein Witz!"

Wegen der Kämpfe sind allein seit Donnerstag tausende Menschen nach Jordanien geflohen. Laut UNHCR trafen im Lager von Saatari mehr als 6400 Flüchtlinge ein. Die meisten von ihnen sind Frauen, Kinder und Alte. Seit Anfang Januar seien bereits 30.000 Syrer nach Saatari geflohen, wo inzwischen rund 65.000 Menschen lebten, sagte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming. Seit Beginn des Aufstands gegen Syriens Präsident Baschar al-Assad im März 2011 flohen nach UN-Angaben mehr als 650.000 Menschen in die Nachbarländer, nach Nordafrika und Europa.

Dialog mit vollem Risiko

Der Vorsitzende des Demokratischen Forums, Michel Kilo, sagte der Nachrichtenagentur dpa, er werde auf keinen Fall zurückkehren. Kilo, der zu den Veteranen der syrischen Opposition gehört, erklärte: "Dieser Vorschlag ist nicht ernst gemeint, denn er enthält keinerlei Garantien. Im Gegenteil, jedes Mal, wenn das Regime zu einem Dialog aufruft, werden noch mehr Intellektuelle festgenommen."

Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, ein Anwalt habe im Libanon Anzeige gegen Minister Al-Schaar erstattet. Er wirft ihm vor an der Tötung von 600 sunnitischen Libanesen 1986 in der Stadt Tripoli beteiligt gewesen zu sein.

Einen wenig friedfertigen Aufruf veröffentlichte der syrische Minister für religiöse Stiftungen, Mohammed Abdul Sattar. Er sagte, die Syrer sollten bei den Freitagsgebeten für Sicherheit und Stabilität beten. Gleichzeitig betonte er, Syrien werde "gegen die Verschwörung bestehen, die von feindlichen Staaten lanciert wurde, und die von ihren Stellvertretern und Sklaven ausgeführt wird, angeführt von den wahabitischen Ungläubigen aus dem Ausland". Der Wahabismus ist eine puritanische Interpretation des sunnitischen Islam, die in Saudi-Arabien Staatsreligion ist.

Quelle: n-tv.de

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