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Archivbild der "Iuventa". Sie befindet sich derzeit auf ihrer dritten Fahrt: Mission Sebastian Kurz, benannt nach dem österreichischen Außenminister.
Archivbild der "Iuventa". Sie befindet sich derzeit auf ihrer dritten Fahrt: Mission Sebastian Kurz, benannt nach dem österreichischen Außenminister.(Foto: dpa)
Montag, 17. April 2017

Krise auf dem Mittelmeer: Flüchtlingshelfer geraten in Seenot

Auf dem Mittelmeer spielen sich Szenen ab, die private Hilfsorganisationen so noch nicht erlebt haben. Am Osterwochenende werden mehrere Tausend Menschen gerettet - doch dann gerät eine deutsche NGO selbst in Seenot.

Mehrere Tausend Menschen sind am Osterwochenende von privaten Hilfsorganisationen aus Seenot gerettet worden. Angesichts der ungewöhnlich hohen Zahl an Flüchtlingen und Migranten wurde das Schiff "Iuventa" der deutschen Hilfsorganisation "Jugend Rettet e.V." am Sonntag selbst zum Seenotrettungsfall.

Nach Stunden des Wartens zeichnete sich am Montag Hilfe ab. Die zentrale Seenotrettungsleitstelle (MRCC) in Rom dirigierte einen 250 Meter langen Tanker zur "Iuventa", der dem Rettungsschiff mit 400 Menschen an Bord Schutz vor Wind und Wellen gab. "Insofern hat sich die Situation entspannt", sagte Julian Pahlke, der sich an Bord des Schiffes befindet, der Deutschen Presse-Agentur. Man warte auf ein Schiff aus Malta, das der Hilfsorganisation die Migranten abnehmen und diese ans Festland bringen sollte.

"Das ist für uns noch nicht da gewesen"

Am Sonntag hatte sich die Situation für die Seenotretter zugespitzt: "Wir sind komplett manövrierunfähig, weil so viele Personen an Bord sind", berichtete Pauline Schmidt, Sprecherin der Organisation. "Zusätzlich zieht schlechtes Wetter auf und circa 400 Personen, die meisten Frauen und Kinder, befinden sich ohne Rettungswesten auf Booten in der Nähe." Der Kapitän der "Iuventa", Kai Kaltegärtner, hatte gesagt: "Wenn keine Hilfe kommt, werden wir Leute verlieren." Denn die Geretteten befinden sich auf dem offenen Deck des Schiffes.

Ein deutsches Marineschiff brachte am Montag 1181 gerettete Flüchtlinge und Migranten ans italienische Festland. 1267 wurden laut Nachrichtenagentur Ansa am Montag im Hafen von Messina erwartet.

Die privaten Retter von "Jugend Rettet" sprachen am Wochenende von einer beispiellosen Situation auf dem Mittelmeer. Am Freitag hatten mehrere Nichtregierungsorganisationen nach eigenen Angaben 1800 bis 2000 Menschen von Schlauch- und Holzbooten gerettet. Am Samstag machten "Jugend Rettet", Moas und Sea-Eye weitere 3000 Flüchtlinge und andere Migranten etwa 20 Meilen von der libyschen Küste entfernt aus. "Das ist so für uns noch nicht da gewesen", sagte Kaltegärtner. Am Sonntag kamen etwa 1000 weitere Menschen hinzu. Teilweise seien an Bord eines Bootes 700 Menschen gewesen, sagte der Kapitän. Es seien auch Menschen ertrunken. Wie viele starben, war aber zunächst unklar.

"Wo war die EU?"

Die Hilfsorganisation SOS Méditerranée sprach auf Twitter von einer "dramatischen Situation" und einem "absoluten Notfall". Sie forderte Unterstützung bei der Suche nach Schiffbrüchigen und der Rettung auf dem Mittelmeer. "Wo waren die Frontex-Schiffe, als ein Rettungsschiff einer NGO Unterstützung brauchte, um Tausende Leben zu retten? Wo war die EU?", twitterte die Organisation Ärzte ohne Grenzen. Die Nichtregierungsorganisationen fordern von der EU ein Seenotrettungsprogramm.

Auf der gefährlichen Flucht von Afrika nach Europa über das Mittelmeer starben seit Jahresbeginn fast 800 Menschen, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) berichtete. Oftmals schicken Schlepper die Flüchtlinge in nicht seetüchtigen Booten auf das Mittelmeer. Die Anarchie in Libyen, das sich seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 im Bürgerkriegschaos befindet, begünstigt das Geschäft der Menschenhändler.

Die zentrale Mittelmeerroute gilt als gefährlichste. Doch auch auf der östlichen Route zwischen Griechenland und Italien war am Samstag wieder ein Boot in Seenot geraten. Unter den 48 Migranten an Bord waren 13 Minderjährige.

Quelle: n-tv.de

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