Samstag, 19. Juli 2008
Vorurteile gegen Rechtsextreme: Frauen unterschätzt
Frauen sind Sozialforschern zufolge nicht weniger anfällig für rechtsextreme Einstellungen als Männer. Beide Geschlechter neigten Umfragen zufolge in gleichem Maße zu rechten Ansichten, sagte Michaela Köttig von der Universität Göttingen der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings stiegen Frauen weniger häufig in die Szene ein.
Es sei jedoch ein Vorurteil, dass sie dort als unpolitische Mitläufer agierten. Es sei gefährlich, dass Frauen selten als Täterinnen wahrgenommen würden. "Das sind stereotype Auffassungen, die sich bei Polizisten, Richtern und Journalisten wiederfinden", sagte Köttig. Deshalb werde zum Beispiel kaum gegen rechte Straftäterinnen ermittelt.
Viele Frauenbilder
Die Vorstellung, dass Frauen in rechtsradikalen Gruppierungen in der Regel jung seien, ein konservatives Familienbild pflegten und nach Halt im Leben suchten, stimme überhaupt nicht. "Das kann man vergessen", sagte sie. In dem Milieu gebe es auch viele ältere Anhängerinnen ebenso wie feministische Gruppierungen. "Die Szene vereinigt bewusst alle möglichen Frauenbilder", sagte Köttig.
Die rechte Szene mache sich die vorherrschenden Klischees zunutze. So würden Frauen dann eingesetzt, wenn man subtil auftreten wolle, etwa beim Eröffnen von Konten oder bei der Anmeldung von Demonstrationen. Frauen in der rechten Szene arbeiteten außerdem häufig als Lehrerinnen oder Erzieherinnen. "Der pädagogische Bereich wird ganz oft bewusst gewählt, um die nächste Generation heranzuziehen, damit sie vorbereitet ist auf das Vierte Reich." Es sei eine große Gefahr, dass dieses Bewusstsein an den Hochschulen und Universitäten noch nicht angekommen sei, sagte Köttig.
In rechten Parteien sind laut Köttig 7 bis 20 Prozent der Funktionäre weiblich. Jeder dritte ihrer Wähler sei eine Frau. Auch unter den Mitgliedern machen Frauen rund ein Drittel aus.
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