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Die britische Polizei schließt Mord noch immer nicht endgültig aus.
Die britische Polizei schließt Mord noch immer nicht endgültig aus.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 01. April 2013

Wie starb Boris Beresowski?: Freundin glaubt an Mord

Als die Polizei die Leiche von Boris Beresowski findet, hat der russische Oligarch eine Schlinge um den Hals. Doch seine Freundin hält einen Selbstmord für ausgeschlossen. Die 23-Jährige spricht über das letzte Gespräch der beiden. Demnach habe Beresowski große Pläne gehabt.

Niedergeschlagen, aber nicht lebensmüde - so beschreibt Katerina Sabirowa ihren verstorbenen Freund Boris Beresowski.
Niedergeschlagen, aber nicht lebensmüde - so beschreibt Katerina Sabirowa ihren verstorbenen Freund Boris Beresowski.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Freundin des in seinem Haus bei London tot aufgefundenen russischen Oligarchen Boris Beresowski glaubt nicht an einen Selbstmord des 67-Jährigen. Bei ihrem letzten Gespräch mit Beresowski einen Tag vor seinem Tod habe er sich "besser als üblich" angehört, sagte die 23-jährige Katerina Sabirowa der "New Times". Zudem habe er am 25. März nach Israel reisen und sie dort treffen wollen. "Ich weiß das ganz sicher", sagte Sabirowa.

Beresowski habe "große Pläne gehabt", sagte Sabirowa. Er sei zwar zuletzt niedergeschlagen, aber nicht lebensmüde gewesen. Demnach sagte Beresowski immer mal wieder, "alle Probleme" würden verschwinden, wenn er nicht mehr am Leben wäre - "aber das war keine Handlungsabsicht, ich konnte und kann mir nicht vorstellen, dass er das tun könnte", sagte Sabirowa, die Beresowski seit vier Jahren kannte und nach Angaben von Freunden in fester Partnerschaft mit ihm lebte. Sabirowa kehrte erst vor wenigen Tagen nach Russland zurück, als ihr britisches Visum ablief.

Polizei schließt nicht aus

Beresowski war am 23. März auf seinem Anwesen in Ascot tot aufgefunden worden. Eine Obduktion der Leiche ergab laut Polizei, dass er sich wahrscheinlich erhängt hatte. Der 67-Jährige habe einen Strang um den Hals gehabt und auf dem Boden seines Badezimmers gelegen, hieß es in der Anhörung. Ein Stück des selben Materials habe an der Dusche über ihm gehangen.

Die Ermittler konzentrieren sich derzeit darauf, Beresowskis geistige Verfassung in den Tagen vor seinem Tod zu rekonstruieren. Nach Angaben aus seinem Umfeld war der Geschäftsmann und Kreml-Kritiker zuletzt tief depressiv. Die Polizei fand keine Kampfspuren, schließt aber trotzdem nicht aus, dass Dritte zu Beresowskis Tod beigetragen haben könnten.

Erst Freund, dann Feind

Um den Tod des Kritikers des russischen Präsidenten Wladimir Putin ranken sich zahlreiche Gerüchte. So hieß es in einigen Berichten, Beresowski sei nach einem verlorenen Prozess um eine Milliardenklage gegen den Oligarchen Roman Abramowitsch depressiv geworden. Freunde und Bekannte erklärten, dies sei unmöglich; Beresowski sei eine Kämpfernatur gewesen.

Von einer mutmaßlichen Beteiligung des russischen Geheimdienstes ist auch die Rede. Beresowski war mehrfach Anschlagversuchen entgangen. Er lebte seit der ersten Amtseinführung von Putin im Jahr 2000 in Großbritannien, wo ihm politisches Asyl gewährt worden war. Er war auch ein enger Vertrauter des 2006 in London mit radioaktivem Polonium vergifteten russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko, um dessen Tod sich ebenfalls Behauptungen ranken, der russische Geheimdienst sei involviert gewesen.

Beresowski hatte nach dem Zerfall der Sowjetunion in Russland Milliarden verdient. Putin verhalf er nach eigenen Worten einst ins Amt, überwarf sich aber wenig später mit ihm im Streit um die politische Ausrichtung eines Fernsehsenders. Die russischen Behörden legten ihm mehrere Wirtschaftsverbrechen zur Last und forderten von Großbritannien seit Jahren die Auslieferung.

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Quelle: n-tv.de

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