Politik
So richtig stimmt's wohl nicht!
So richtig stimmt's wohl nicht!(Foto: picture alliance / dpa)

"Schwach, ungeschickt und unglaubwürdig": Führungskräfte buhen Merkel aus

Die Mehrheit der deutschen Topmanager und führenden Politiker ist unzufrieden mit der Arbeit von Kanzlerin Merkel und ihrer Koalitionsregierung aus Union und FDP. Nur noch 18 Prozent der Spitzenkräfte halten die Bundeskanzlerin für glaubwürdig. Auch der neue FDP-Chef und Wirtschaftsminister Rösler fällt durch.

Kanzlerin Angela Merkel und die schwarz-gelbe Bundesregierung haben bei den Führungskräften von Wirtschaft, Politik und Verwaltung viel Vertrauen verspielt. "Schwach, ungeschickt und unglaubwürdig", lautete die vorherrschende Beurteilung bei einer Befragung von mehr als 500 Führungskräften im Auftrag der Wirtschaftszeitschrift "Capital". Mehr als die Hälfte der Teilnehmer - 58 Prozent - sehen Merkel inzwischen als schwache Kanzlerin. Sechs Monate zuvor noch fällten 37 Prozent dieses Urteil. 77 Prozent bescheinigten Schwarz-Gelb keine gute Arbeit und sind enttäuscht von der Bilanz der Regierung insgesamt, 78 Prozent halten sie für schwach und wenig handlungsfähig.

Bisher kritischste Bewertung für Merkel

"Das ist in der Amtszeit der Kanzlerin die kritischste Bewertung, die sie bisher erfahren hat", erläuterte Renate Köcher vom Allensbacher Institut für Demoskopie, das die Befragung vornahm. In Zeiten der Großen Koalition war Merkel zeitweise im Capital-Elite-Panel von mehr als 80 Prozent der Befragten als starke Kanzlerin bewertet worden.

Den Bonus, den Merkel auch in der Wirtschaft mal hatte, hat sie eingebüßt.
Den Bonus, den Merkel auch in der Wirtschaft mal hatte, hat sie eingebüßt.(Foto: AP)

Besonders drastisch büßte Merkel seit Dezember 2010 bei den Spitzenkräften an Glaubwürdigkeit ein. Nur noch 18 Prozent hielten ihre Aussagen für glaubwürdig, über 30 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Umfrage. Am meisten Zustimmung gab es für die Formulierung "bestimmt den Kurs ihrer Partei". Das bejahten mit 62 Prozent deutlich mehr Top-Entscheider. Und mit 57 Prozent sprachen ihr immer noch mehr als die Hälfte der Befragten Kompetenz und Sachverstand zu.

Vor allem durch die Kehrtwende in der Energiepolitik habe die Glaubwürdigkeit der Regierung gelitten, hieß es. Mehr als die Hälfte der führenden Wirtschaftsbosse (60 Prozent) lehnt den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Kernenergie ab. Etwa zwei Drittel aller Befragten erklärten, dass sich ihre Haltung durch die japanische Atomkatastrophe nicht geändert habe.

Auch die Probleme des Euro bereiten den deutschen Spitzenentscheidern Sorge (64 Prozent). Als Grund für die Krise nannten mehr als zwei Drittel, dass sich die EU zu schnell erweitert und vertieft habe. Den Austritt von hochverschuldeten Mitgliedern aus der Euro-Zone wie etwa Griechenland lehnt die Mehrheit der Befragten aber ab. Nur 32 Prozent halten das für den richtigen Weg.

Die Umfrage wird seit mehr als 20 Jahren durchgeführt. Unter den 519 Befragten sind mehrere Vorstände großer Konzerne sowie Ministerpräsidenten und Minister.

Bevölkerung sieht Merkel anders

Merkel hat auch jede Menge Anhänger.
Merkel hat auch jede Menge Anhänger.(Foto: picture-alliance/ dpa)

In der wöchentlichen Forsa-Umfrage für RTL und das Magazin "Stern" zur Politiker-Einschätzung in der Bevölkerung legte Merkel dagegen zu und genießt inzwischen wieder am meisten Vertrauen gemessen an allen anderen Politikern. Auf der Skala zwischen 1 (kein Vertrauen) und 100 (sehr hohes Vertrauen) kommt sie auf 59 Punkte, vier mehr als vor drei Monaten.

Rang zwei unter den Funktionsträgern in den Parteien erreichte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier mit 56 Punkten, gefolgt von Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit je 52 Punkten. Außer der Reihe äußerten die Befragten mit 57 Punkten viel Vertrauen in den früheren Finanzminister Peer Steinbrück, der derzeit in seiner Partei, der SPD, aber kein Amt innehat.

Rösler negativ in beiden Umfragen

Eher unterdurchschnittlich schnitt der neue FDP-Chef und Wirtschaftsminister Philipp Rösler in der "Stern"-Umfrage ab, in der er 40 Punkte sammelte. Rösler erfreut sich auch unter den Spitzenkräften keiner sonderlichen Wertschätzung - sie sind inzwischen wieder mehrheitlich von der Wirtschaftspolitik der Regierung enttäuscht sind. 56 Prozent sehen in Rösler einen schwachen FDP-Chef und auch einen Politikwechsel der Liberalen erwarten fast zwei Drittel der Befragten unter Rösler nicht. Steuersenkungen sieht die übergroße Mehrheit als die falsche Kernbotschaft, um das liberale Profil der FDP zu stärken.

Würde der Bundestag am Sonntag neu gewählt, könnten CDU und CSU laut der wöchentlichen Forsa-Umfrage für "Stern" und RTL mit 32 Prozent der Stimmen rechnen und würden zum zweiten Mal in Folge einen Punkt hinzugewinnen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen