Montag, 04. Juli 2011
Türkei hilft Rebellen: Gaddafi ruft zum Heiligen Krieg
Libyens Machthaber Gaddafi ruft zum Heiligen Krieg gegen die NATO und die Rebellen im eigenen Land auf. Ob sich genügend Gotteskrieger finden, bleibt jedoch fraglich. Indes stellt die türkische Regierung Libyens Rebellen Hilfen im dreistelligen Millionenbereich in Aussicht. Damit entfernt sich Ankara immer weiter von Gaddafi.Der von den Rebellen bedrängte libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi hat zum Heiligen Krieg aufgerufen und sucht dafür Freiwillige für die Front. Die staatliche Nachrichtenagentur Jana veröffentlichte einen Aufruf des Verteidigungsministeriums zum "Heiligen Krieg". Darin hieß es, Männer und Frauen sollten sich den nun neu eröffneten Rekrutierungsbüros meldeten. Sie würden dann in "Gotteskrieger"-Einheiten eingesetzt, um gegen die "Kreuzritter" der NATO und die sie unterstützenden "Verräter-Banden" zu kämpfen. Beobachter in Tripolis gehen allerdings nicht davon aus, dass sich eine große Zahl von Freiwilligen melden wird.
Der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrates in Bengasi, Mustafa Abdul Dschalil, wies derweil Überlegungen zurück, Gaddafi könne im Falle eines Rücktritts unter Umständen unbehelligt im Land bleiben: "Ich möchte betonen, dass es weder jetzt noch in der Zukunft für Gaddafi die Möglichkeit gibt, in Libyen zu bleiben." Gaddafi müsse entmachtet und vor Gericht gestellt werden.
Türkei unterstützt Rebellen
Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu (links) posiert in Bengasi neben dem Vorsitzenden des Nationalen Übergangsrats, Mustafa Abdel Dschalil. Die Türkei hat den Übergangsrat offiziell anerkannt.
(Foto: REUTERS)
Bei ihrem Kampf können die Rebellen nun auch mit der Unterstützung der Türkei rechnen. So hat Ankara ihren Nationalen Übergangsrat offiziell anerkannt und Millionenhilfen versprochen. Bei einem Besuch in Bengasi habe Außenminister Ahmet Davutoglu der Rebellenführung 200 Millionen US-Dollar (138 Millionen Euro) zugesagt, berichteten türkische Medien. Zugleich zogen die Türken ihren Botschafter aus Libyen ab. Die Entscheidungen bedeuten eine weitere Abkehr der Türkei von Gaddafi.
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Machthaber immer wieder zu einer friedlichen Lösung aufgefordert und mehrfach mit ihm telefoniert. So hatte er ihm auch Hilfe beim Verlassen des Landes angeboten. Die Türkei könne die Ausreise Gaddafis an einen Ort seiner Wahl organisieren und dies mit ihren Verbündeten regeln.
Regime: NATO verstärkt Angriffe
Unterdessen hat das libysche Regime der NATO erneut Angriffe auf zivile Ziele vorgeworfen. So seien der Hafen von Suara und "zivile" Kontrollpunkte an der Küstenstraße der Stadt 120 Kilometer westlich von Tripolis bombardiert worden, teilte das libysche Staatsfernsehen mit. Dabei seien Menschen getötet und verletzt worden. Die staatliche Nachrichtenagentur Jana berichtete von Luftangriffen auf Kontrollpunkte in Bani Walid, rund 180 Kilometer südöstlich der Hauptstadt. Dabei habe es ebenfalls "mehrere Tote und Verletzte" gegeben. Das libysche Fernsehen warf der NATO einen "Vernichtungskrieg" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vor.
Die NATO hatte am Samstag angekündigt, den Druck auf die Truppen von Gaddafi weiter zu verstärken, unter anderem in Stadtgebieten. In der Nacht wurden nach Angaben des Militärbündnisses drei bewaffnete Fahrzeuge in der Gegend von Suara angegriffen. Außerdem berichtete die NATO von Angriffen auf Ziele in Brega, Misrata und Gherien.
dpa/AFP
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