Besuch in BrüsselGaddafi sucht Nähe zu Europa
Bei seinem ersten Europabesuch seit 15 Jahren hat der libysche Revolutionsführer Gaddafi seinen Wunsch nach einer engeren Zusammenarbeit mit der Europäischen Union unterstrichen.
Bei seinem ersten Europabesuch seit 15 Jahren hat der libysche Revolutionsführer Mummar el Gaddafi in Brüssel seinen Wunsch nach einer engeren Zusammenarbeit mit der Europäischen Union unterstrichen. "Dies ist ein sehr historisches Treffen", erklärte Gaddafi am Dienstag nach einer Begegnung mit Kommissionspräsident Romano Prodi.
Libyen wolle volles Mitglied in der Mittelmeerpartnerschaft der EU werden, die in der Region Frieden und Stabilität etablieren möchte. Prodi sagte, dies solle "so schnell wie möglich" geschehen.
Prodi zeigte sich zuversichtlich, dass in den kommenden Wochen eine Entschädigungslösung für die Opfer des Anschlags auf die West-Berliner Discothek "La Belle" gefunden werde. Für dieses Attentat, bei dem 1986 drei Menschen starben und 200 verletzt wurden, hat das Berliner Landgericht der libyschen Regierung erhebliche Mitverantwortung vorgeworfen. Bundesaußenminister Joschka Fischer hat eine Entschädigung der Opfer als Voraussetzung für die deutsche Zustimmung zum Beitritt Libyens zur Mittelmeerpartnerschaft bezeichnet. Diese Abmachung vereint 27 Partner und wird von der EU finanziell unterstützt. Langfristig soll im Mittelmeerraum eine Freihandelszone entstehen.
Gaddafi bekundete auch seinen Wunsch nach einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit. "Wir brauchen europäische und amerikanische Gesellschaften, um unsere Gas- und Ölförderung zu modernisieren". Er zeigte Verständnis für das Anliegen der EU, die mit Libyen bei der Bekämpfung von Menschenhandel und illegaler Einwanderung enger zusammenarbeiten will.
Libyen ist das einzige Land am Mittelmeer, das bislang keine formellen Beziehungen zur EU hat. Nachdem Gaddafi sich öffentlich von Terrorismus und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen abgewandt hat, sucht er engere Beziehungen zu Europa. Die USA haben vor kurzem die Handelssanktionen gegen das Land weitgehend aufgehoben.