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Joachim Gauck hatte in Offenbach mit Schülern über Integration diskutiert. Offenbach ist die Stadt mit dem bundesweit höchsten Ausländeranteil.
Joachim Gauck hatte in Offenbach mit Schülern über Integration diskutiert. Offenbach ist die Stadt mit dem bundesweit höchsten Ausländeranteil.(Foto: dpa)
Dienstag, 29. November 2016

Sich nicht als Opfer sehen: Gauck: Migranten sollen mehr mitmischen

Viele Zuwanderer könnten mehr tun, um sich in die Gesellschaft einzubringen, findet der Bundespräsident. Es müsse mehr Kontakt zwischen "alten und neuen Deutschen" geben, ist Gaucks Botschaft auch an die Adresse der Einheimischen.

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Zuwanderer in Deutschland aufgefordert, sich mehr in die Gesellschaft einzumischen. "Noch immer engagieren sich zu wenige Migranten in Parteien, Sportvereinen, im Elternbeirat oder in Gemeinde- und Stadträten", sagte Gauck bei einem Besuch in Offenbach. "Das Leben vieler, zu vieler Einwanderer, findet abseits des Lebens der Mehrheitsgesellschaft und ohne Einfluss auf das politische Leben statt." Nicht in allen Zuwanderermilieus werde außerdem der Bildung die nötige Aufmerksamkeit geschenkt.

Andererseits würden Migranten noch immer oft diskriminiert. "Wir brauchen mehr Begegnungen zwischen den alten und neuen Deutschen", sagte Gauck. Die entscheidende Trennlinie in Deutschland verlaufe aber nicht zwischen Einheimischen und Zugewanderten. "Die entscheidende Trennlinie verläuft zwischen Demokraten und Nicht-Demokraten, zwischen jenen, die eine offene, demokratische Gesellschaft verteidigen wollen und werden, und jenen, die die Meinungsfreiheit nur ausnutzen, um Zwietracht, Hass und Gewalt zu säen."

"Wer sich integrieren möchte, schafft es auch"

"Gestalten Sie die Zukunft für alle mit", forderte der Bundespräsident die Einwanderer auf. "Wenn Zuwanderer sich vor allem als Opfer von Diskriminierung verstehen, bringen sie sich um ihre Potenziale.". Letztlich hänge es vom Willen des Einzelnen ab, ob er ein Teil der Gesellschaft werden wolle, betonte Gauck. "Wer sich integrieren möchte, schafft es auch."

Parallelgesellschaften von Einwanderern dienten als Anlaufstelle für Ankommende, das sei gut, sagte Gauck. "Sie können sich aber auch als Sackgasse erweisen, wenn Einwanderer die Begegnung mit der Mehrheitsgesellschaft vermeiden." Auch müsse solchen Parallelgesellschaften entgegengewirkt werden, wenn sich Einwanderer dort den Werten der Mehrheitsgesellschaft widersetzten oder Konflikte ihrer Herkunftsländer einführten.

Einwanderer sollten weiter ihre Kultur pflegen dürfen, unterstrich der Bundespräsident. "Integration verlangt keine Assimilation." Im Gegenteil seien Menschen mit zwei Kulturen für die Gesellschaft wichtig, weil sie Fremde an die Gesellschaft heranführen könnten. Die Gesellschaft sei eine Gemeinschaft der Verschiedenen, die sich als Gemeinschaft der gemeinsamen Werte verstehen.

Haltung zählt, nicht Herkunft

Gauck rief Einheimische und Einwanderer dazu auf, Extremismus und Terrorismus zu bekämpfen. "Wir müssen Demokratie und Menschenrechte gemeinsam verteidigen", sagte er. Dabei zähle nicht die Herkunft, sondern die Haltung.

Die Gesellschaft dürfe einen Widerspruch gegen Grundwerte wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die säkulare Verfassung des Staates nicht hinnehmen. Einwanderer dürften aber auch nicht alleine gelassen werden, wenn sie aus grundrechtswidrigen Normen des Herkunftslandes wie etwa einer Zwangsheirat ausbrechen wollten.

Quelle: n-tv.de

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