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Gauck eröffnet im Schloss Bellevue in Berlin das "Bellevue Forum" mit Vertretern aus Politik und Medien.
Gauck eröffnet im Schloss Bellevue in Berlin das "Bellevue Forum" mit Vertretern aus Politik und Medien.(Foto: dpa)

Bundespräsident sieht EU in Gefahr: Gauck mahnt: Hört zu

Der Bundespräsident zeichnet ein dramatisches Bild der Lage in Europa. Die EU sei durch die Flüchtlingskrise bedroht wie kaum je zuvor. Die verunsicherte Bevölkerung mahnt Gauck, nicht Hetzern und Brandstiftern zu folgen.

Bundespräsident Joachim Gauck hat vor einem Auseinanderbrechen Europas in der Flüchtlingskrise gewarnt und Kompromisse in der Europäischen Union gefordert. Es sei nicht undenkbar, dass sich europäische und regionale Lösungen ergänzten, sagte Gauck bei einer Podiumsdiskussion im Schloss Bellevue. "Mag sein, dass dabei eine Kompromisslösung entsteht, die uns und manch anderen Europäern unbefriedigend erscheint. Aber wir würden doch wenigstens beieinanderbleiben." Gauck hatte internationale Wissenschaftler und Experten zu einem "Bellevue Forum" zur Flüchtlingspolitik in seinen Berliner Amtssitz eingeladen.

Gauck betonte dabei: "Es darf doch nicht sein, dass die Europäische Union sich selbst demontiert und das Einigungswerk von Jahrzehnten an der Flüchtlingsfrage zerbricht." Einige Länder hätten eine Begrenzungs- beziehungsweise Abgrenzungsstrategie beschlossen. Dies könne man kritisieren oder ablehnen, aber auch Gründe dafür benennen. Allerdings werde Europa nur gemeinsam einen wirksamen Beitrag zur Eindämmung von Fluchtursachen und zur Bekämpfung von Fluchtverursachern leisten können.

Eindringlich rief Gauck dazu auf, bei Protesten gegen eine vermeintliche Überfremdung das Recht zu respektieren. "Richtet Eure Unzufriedenheit und Eure Wut nicht gegen jene, die viel schwächer und verletzlicher sind, als ihr es seid! Isoliert die Hetzer, Brandstifter und Gewalttäter. Wenn ihr protestieren wollt, dann achtet die Regeln!" Weiter sagte er: "Werdet meinetwegen laut gegenüber euren Bürgermeistern, Abgeordneten, Ministern, aber hört dann auch zu, was sie euch zu sagen haben."

Der niederländische Soziologe Paul Scheffer sagte, es sei unvernünftig anzunehmen, dass der Migrationsdruck in den nächsten Jahren nachlassen werde. Die Flüchtlingskrise sei unterschätzt worden, so wie alle Migrationsbewegungen davor. Es sei nicht erkannt worden, wie wichtig der Schutz der Außengrenzen sei, erklärte Scheffer. Das damit verbundene moralische Dilemma müsse offen diskutiert, ein Gleichgewicht zwischen offenen und geschlossenen Grenzen gefunden werden.

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Quelle: n-tv.de

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