Sonntag, 18. April 2010
"Die Hölle auf Erden": Gedenken an KZ-Befreiung
In drei Konzentrationslagern gedenken Überlebende ihrer Befreiung durch die Alliierten vor 65 Jahren. Neben Ministerpräsident Platzeck sollte in Fürstenberg auch Bundeskanzlerin Merkel an der Gedenkfeier teilnehmen, wurde jedoch durch Annette Schavan vertreten. Die Bundesbildungsministerin fordert Wachsamkeit - und betont die besondere Verantwortung der Deutschen.An den früheren Konzentrationslagern Bergen-Belsen, Ravensbrück und Sachsenhausen haben Hunderte Überlebende ihrer Befreiung durch die Alliierten vor 65 Jahren gedacht. "Das Lager war die Hölle auf Erden, ein Ort der Hoffnungslosigkeit", sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann in Bergen-Belsen in Niedersachsen. "Bergen-Belsen ist ein Ort deutscher Schuld, aber es hat lange gedauert, bis das Land sich die Schuld eingestanden hat." Deutschland werde nun aber alles tun, um die Erinnerung stets wachzuhalten. "Wir müssen heute und in Zukunft jeder Form von Ausgrenzung entgegentreten", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff.
Bei der Gedenkveranstaltung in Fürstenberg sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan zu rund hundert angereisten Überlebenden aus Europa und den USA: "Ihre Leidensgeschichte bleibt uns ewige Mahnung." Wer das Leid erfassen wolle, gerate an die Grenzen menschlicher Vorstellungskraft.
"Immerwährende Verantwortung"
Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck betonte in Fürstenberg: "Das Eintreten für ein solidarisches Miteinander darf nie infrage gestellt werden." Die grausame Vergangenheit sei Teil deutscher Geschichte und Identität, sagte Schavan. Daraus erwachse eine "immerwährende Verantwortung". Die Gesellschaft müsse wachsam sein - gerade auch mit Blick auf begangene Anschläge auf Synagogen. "Solange dürfen wir die Hände nicht in den Schoß legen." Die Beendigung des Nazi-Terrors durch die Alliierten im April vor 65 Jahren sei ein Neubeginn für die Überlebenden, Deutschland und Europa gewesen.
Die Präsidentin des Internationalen Ravensbrück-Komitees, Annette Chalut, betonte, dass Erinnern und Gedenken auch nach dem Tod der Zeitzeugen erhalten bleiben müssten. Sie appellierte, dass künftig in Ravensbrück auch an das Männerlager erinnert und das so genannte Jugendschutzlager Uckermark in unmittelbarer Nähe bewahrt werden müsse. Platzeck versicherte, dass dafür eine "angemessene Lösung" gefunden werde. Schavan, die Kanzlerin Angela Merkel vertrat, betonte mit Blick auf ganz Deutschland: "Der Erhalt der Gedenkstätten ist Pflicht."
Am 30. April 1945 befreite die Rote Armee etwa 3000 in dem Lager zurückgelassene Häftlinge. Der Großteil der Gefangenen war zuvor von der SS auf Todesmärsche getrieben worden. Von 1939 bis 1945 waren in dem Konzentrationslager rund 152.000 Frauen, Kinder und Männer eingesperrt.
dpa
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