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Sexismus in Deutschland: Geißler: Debatte überfällig

"Aufschrei" im Internet, Diskussionen im Fernsehen, verwirrte Männer: Die Sexismus-Debatte nimmt ihren Lauf. CDU-Charakterkopf Geißler findet das überfällig. Und er attackiert bei der Gelegenheit die Frauenministerin. Unterdessen springt die FDP ihrem gescholtenen Brüderle bei.

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hält die Sexismus-Debatte, die durch die Vorwürfe gegen FDP-Spitzenkandidat Brüderle losgetreten wurde, als "überfällig und notwendig". Es gebe "mehr Frauen als Männer auf der Welt, aber kein Teil der Weltbevölkerung wird derart entrechtet und diskriminiert wie die Frauen", sagte Geißler.

Heiner Geißler: Frauen entrechtet und diskriminiert.
Heiner Geißler: Frauen entrechtet und diskriminiert.(Foto: dapd)

Geißler forderte in diesem Zusammenhang auch eine Frauenquote für Führungsposten in Unternehmen. Die CDU liege mit ihrer Ablehnung falsch, "und die Position der Frauenministerin ist von vorgestern", sagte er mit Bezug auf Bundesfrauenministerin Kristina Schröder.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) riet mit Blick auf die Debatte zu einem respektvollen Umgang zwischen den Geschlechtern. "Ich denke, irgendwelche sexistischen Geschichten - das sollte auch jeder lassen, schon aus mitteleuropäischer Höflichkeit heraus", sagte Friedrich. "Das gilt für Politiker wie im Alltag auch."

"Charmanter Kopf"

Die FDP hält ungeachtet der Sexismus-Vorwürfe an ihrem Spitzenkandidaten Rainer Brüderle fest. Generalsekretär Patrick Döring sagte: "Ich halte das alles für sehr aufgebauscht und an den Haaren herbeigezogen. Deshalb stehen wir hinter ihm, denn wir wissen, dass er ein charmanter und ein fähiger Kopf ist."

Der 67-jährige Fraktionschef Brüderle schweigt weiter zu den Anschuldigungen, er habe die "Stern"-Journalistin Laura Himmelreich mit angeblich anzüglichen Bemerkungen bedrängt. Brüderle führt als Spitzenkandidat gemeinsam mit FDP-Chef Philipp Rösler die Liberalen in die Bundestagswahl im September.

Suding und Brüderle.
Suding und Brüderle.(Foto: dapd)

Die Hamburger FDP-Spitzenpolitikerin Katja Suding hält eine öffentliche Entschuldigung von Brüderle für unnötig. "Ansonsten kann das nur Frau Himmelreich selbst sagen, ob sie eine Entschuldigung für angemessen hält", sagte Suding der "Welt".

Politik sei nicht sexistischer als andere Branchen. "Überall, wo Menschen aufeinandertreffen, wird nun einmal auch geflirtet. Und das darf auch so sein." Sie halte Brüderle als Spitzenkandidaten durch die aktuelle Debatte nicht für beschädigt, so Suding.

Döring forderte ein Ende der Debatte über Brüderle: "Die Republik hat sich über die Befindlichkeiten Einzelner genügend ausgetauscht." Längst wird im Internet und den Medien aber nicht mehr nur über Brüderle, sondern über Sexismus in der ganzen Gesellschaft diskutiert.

Der Generalsekretär wies Darstellungen zurück, die FDP insgesamt habe ein Problem mit Frauenfeindlichkeit. "Ich kenne keine Beschwerde, dass es zu sexistischen Ausfällen innerhalb von FDP-Gliederungen oder gar in Führungsspitzen gekommen wäre", sagte Döring. Richtig sei, dass die FDP zu wenige weibliche Mitglieder habe. Daran arbeite die Parteispitze.

Führende FDP-Politiker kritisierten erneut scharf die "Stern"-Journalistin Himmelreich, die erst ein Jahr nach dem Zusammentreffen mit Brüderle beim Dreikönigstreffen im Januar 2012 ihre Eindrücke aufgeschrieben habe. Döring meinte dazu: "Da, wo ich herkomme, so wie ich erzogen bin, löst man das sofort in einem gemeinsamen persönlichen Gespräch und nicht ein Jahr später über eine öffentliche Aufarbeitung."

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sagte, die aktuelle Veröffentlichung des "Stern"-Artikels kurz nach Brüderles Ausrufung zum FDP-Spitzenkandidaten sei doch kein Zufall gewesen: "Das ist weit mehr als schlechter Journalismus."

Quelle: n-tv.de

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