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Einen schlechteren Dienst hätte Wolfgang Clement der SPD kaum erweisen können: Gerade hatte die Parteiführung mit Ach und Krach einen Rauswurf des einstigen Bundeswirtschaftsministers abgewendet, da verkündet Clement seinen Austritt.
Damit sorgte der 68-Jährige für eine faustdicke Überraschung. Schließlich hatte er hartnäckig für seinen Verbleib in der SPD gekämpft.
Nach dem Motto "viel Feind, viel Ehr" brachte der Mann aus dem Ruhrgebiet die eigene Partei immer wieder mit Querschüssen gegen sich auf.
Ob Clement weniger Kündigungsschutz oder mehr Zeitarbeit verlangte oder Mindestlöhne ablehnte - die Genossen rauften sich die Haare.
Nicht nur, dass der gelernte Journalist kurz vor der Hessen-Wahl im Januar in einem Zeitungskommentar indirekt dazu aufrief, der SPD nicht die Stimme zu geben - was das Parteiausschlussverfahren in Gang brachte.
Er stichelte auch danach noch gegen die eigenen Genossen. Erst diagnostizierte er, die Partei scheine "in Auflösung begriffen" und sei "wie in Schreckstarre auf die Linke Lafontaines fixiert".
Dann empfahl er, bei der Bundespräsidentenwahl im kommenden Jahr statt der SPD-Kandidatin Gesine Schwan dem Amtsinhaber Horst Köhler die Stimme zu geben.
Zuletzt machte das Aufsichtsratsmitglied einer RWE-Kraftwerkstochter mit der Forderung nach längeren Laufzeiten von Atomkraftwerken von sich reden.
Die indirekte Aufforderung, die hessische SPD mit ihrer Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti nicht zu wählen, war nur noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Der frühere SPD-Chef Hans-Jochen Vogel kommentierte seinerzeit, Clements Kritik an der hessischen SPD sei "inakzeptabel und soll offenbar die Trennung von der Partei bewirken".
Bereits als Minister und Ministerpräsident in seiner Heimat Nordrhein-Westfalen hatte sich Clement als wirtschaftsfreundlicher Modernisierer präsentiert.
Johannes Rau, sein Vorgänger als NRW-Regierungschef, hatte ihn 1989 zum Chef der Staatskanzlei in Düsseldorf gemacht. Später wurde Clement NRW-Wirtschafts- und Verkehrsminister - und Raus "Kronprinz".
Mit großem Einsatz führte Clement als Ministerpräsident ab 1998 den Kampf für mehr Arbeitsplätze - allerdings mit wenig Rücksicht auf den Koalitionspartner und auf die Wirkung, die so ein Dauerstreit auf die Wähler hat.
Clements Stern als Ministerpräsident war schon im Sinken, als ihn 2002 der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder mit einem Überraschungscoup nach Berlin holte und zum Ressortchef für Wirtschaft und Arbeit machte.
Als "Super-Minister" verkörperte Clement fortan in einer Person das - später gescheiterte - "Bündnis für Arbeit" und war wesentlich an der Durchsetzung der "Agenda 2010" beteiligt.
Mit dem Antritt der Großen Koalition im Herbst 2005 war Clement jedoch - auch auf Betreiben des damaligen SPD-Partei- und Fraktionschefs Franz Müntefering - als Ressortchef abgemeldet.
In der rot-grünen Bundesregierung hatten die Grünen Clement erneut als Widersacher erlebt. Ex-Umweltminister Jürgen Trittin bescheinigte Clement im August 2008, "ohne Zweifel sehr hartnäckig" zu sein.
Aber, so Trittin im Rückblick, "wenn er dreimal mit Kopf gegen die Wand gelaufen ist, wird er kompromissbereit".
Dies scheint sich im jüngsten Streit um Clement nicht unbedingt zu bestätigen. Mit der Rüge, die die Bundesschiedskommission der SPD aussprach, wollte sich Clement nicht abfinden.
Sein Schlusswort dürfte manchem SPD-Politiker in den Ohren klingen: "Nach Kräften" wolle er sich weiter an den Debatten um die Linke und die Wirtschaftspolitik beteiligen, kündigte Clement an - schließlich bleibe er "Sozialdemokrat ohne Parteibuch".
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