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Özal stemmte sich gegen die Allmacht des türkischen Militärs und stand für eine weichere Haltung im Kurdenkonflikt.
Özal stemmte sich gegen die Allmacht des türkischen Militärs und stand für eine weichere Haltung im Kurdenkonflikt.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Rätselhafter Tod eines Volkshelden: Gifte in Özals Leiche entdeckt

Der frühere türkische Präsident Özal wurde vergiftet. Das gilt heute, 20 Jahre nach seinem Tod, als sicher. Vermutlich schwächte zunächst das radioaktive Polonium seinen Körper. Stoffe wie Strychnin und DDT gaben ihm den Rest. So eine Theorie des zuständigen forensischen Instituts. Doch wer hinter dem Komplott steckt, bleibt ein Rätsel.

Als Präsident der Türkei hatte Turgut Özal viele Feinde. Er lehnte sich gegen das damals fast allmächtige Militär auf und rüttelte am harten Kurs Ankaras in der Kurdenfrage. Als er 1993 im Alter von 65 Jahren starb, hieß die offizielle Todesursache "Herzversagen", doch an einen natürlichen Tod gab es Zweifel. Heute, fast 20 Jahre später, ist sicher: Özal wurde ermordet. Türkische Ermittler haben einem Zeitungsbericht zufolge weitere Hinweise dafür gefunden. Eine sichere Spur zu den Tätern fehlt allerdings immer noch.

Sonderermittler stuften den Fall im Juni als "verdächtig" ein und veranlassten im Oktober die Exhumierung von Özals teilweise erhaltener Leiche. In seinen sterblichen Überresten fanden Wissenschaftler dann angeblich Spuren von Strychnin. Doch die Behörden bestätigten die Berichte nicht. Wie die türkische Zeitung "Today`s Zaman" jetzt schreibt, haben Untersuchungen ergeben, dass gleich mehrere Giftstoffe Özal töteten. Das Blatt beruft sich auf Aussagen von Mitarbeitern des mit den Untersuchungen beauftragten Forensischen Institutes ATK.

1993 gab es keine Untersuchungen

Die Wissenschaftler stellten danach einen zehnfach erhöhten Wert des Giftes DDT im Leichnam Özals fest. Auch Spuren des radioaktiven Stoffes Polonium entdeckten sie. Insgesamt fanden sie vier Giftstoffe. Die Theorie der Wissenschaftler: Das Polonium kam zum Einsatz, um den Körper des Präsidenten zunächst zu schwächen. Die übrigen Stoffe sollten ihm dann den Rest geben.

Auslöser der Ermittlungen sind Berichte von Zeugen über verdächtige Umstände des Todes Özals. Auch dessen Familie geht von einem Mord aus und fordert eine Aufklärung möglicher Hintergründe. Denn 1993 wurde der Leichnam nicht untersucht.

Özal gilt als wichtigster Staatsmann seit Atatürk

Mit Reformen hatte Özal seinem Land wirtschaftliches Wachstum beschert. Seine weichere Haltung im Kurdenkonflikt und sein Widerstand gegen die Allmacht des Militärs ließen immer wieder Spekulationen aufkommen, dass rechtsgerichtete Kreise den Mord Özals organisiert haben könnten.

Özal war von 1989 bis zu seinem Tode im April 1993 Staatspräsident. Er modernisierte die Türkei mit radikalen Wirtschaftsreformen und wird noch heute von vielen Türken als wichtigster Staatsmann seit Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk verehrt. Sein Grabmal in Istanbul ist eine Wallfahrtstätte für viele Türken.

Quelle: n-tv.de

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