Politik
Blick über die türkisch-syrische Grenze nach Kobane.
Blick über die türkisch-syrische Grenze nach Kobane.(Foto: REUTERS)

Verwirrung beim Kampf um Kobane: "Giftgaseinsatz" war allergische Reaktion

Um die nordsyrische Stadt Kobane wird heftig gekämpft. Kurden widersetzen sich dort den schweren Angriffen der IS-Miliz. In diese Zeit fallen Berichte über einen möglichen Giftgasangriff der IS auf die Stadt. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Gerüchte über einen Giftgasangriff der Terrororganisation IS in der umkämpften Kurdenstadt Kobane haben sich nach Angaben von Menschenrechtlern als falsch erwiesen. Augenzeugen aus der Stadt im Norden Syriens hatten in der Nacht berichtet, zahlreiche Einwohner würden an Atemnot leiden und Symptome eines Giftgasanschlages zeigen. Tatsächlich soll es sich jedoch um eine Einzelperson handeln: "Ein Allergiepatient litt unter dem durch die Bombardierungen verursachten Rauch", sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Er sei in der Nacht stationär mit Sauerstoff behandelt worden und habe das Krankenhaus bereits wieder verlassen.

Video

Die von den USA geführte Anti-IS-Allianz hatte stets dementiert, dass die Dschihadisten im Besitz chemischer Kampfstoffe sind. Allenfalls seien dem IS unbrauchbare Reste von C-Waffen bei der Eroberung des irakischen Militärstützpunktes Muthannas in die Hände gefallen.

Zuvor hatte die in Kobane herrschenden Partei der Demokratischen Union (PYD) unter Verweis auf Augenzeugen berichtet, der IS habe am Dienstagabend "eine chemische Waffe in der Stadt abgefeuert". Im direkten Umfeld des Einschlags dieser Rakete hätten die Menschen weder sehen noch atmen können und seien ohnmächtig geworden.

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte früh am Wahrheitsgehalt der Augenzeugenberichte gezweifelt: "Ich werde keine solche Behauptung aufstellen, bevor es keine Bestätigung von Befehlshabern der YPG gibt", hatte Rahman gesagt.

Auch keine Beweise für Attacke im Juli

Bereits im Juli hatte Israel über eine ähnliche Attacke berichtet. Demnach soll der IS am 12. Juli Senfgas eingesetzt haben. Dies habe die Auswertung von Fotos ergeben, die in Kobane aufgenommen worden seien. Auch dafür lagen später keine unabhängigen Bestätigungen vor. Israelische Ärzte hatten lediglich die Bilder der Opfer analysiert.

Oppositionskräfte haben immer wieder versucht, mit dem Verweis auf Giftgasangriffe seitens der Extremisten ein Eingreifen ausländischer Kräfte zur erreichen. US-Präsident Barack Obama hatte 2012 solche Angriffe als "Rote Linie" für eine mögliche Intervention bezeichnet. Nachdem das Regime des syrischen Machthabers Baschar al Assad chemische Kampfstoffe gegen die Opposition des Landes nahe Damaskus eingesetzt hatten, griff Obama jedoch nicht ein. Die Angriffe des Assad-Regimes waren damals sogar von unabhängigen Experten der Vereinten Nationen untersucht und bestätigt worden. Dafür waren allerdings Wochen ins Land gegangen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen