Sonntag, 13. Juli 2008
Durst auf Öl: Glos stellt sich in Bagdad an
Nach langen Jahren von Diktatur, Embargo und Krieg will der Irak seine Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland wieder intensivieren. Bagdad ist beim Wiederaufbau an deutscher Technologie interessiert, Berlin an irakischem Öl.
Als erstes deutsches Regierungsmitglied seit dem Irak-Krieg reiste Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) am Samstag für einen Tag zu Gesprächen mit der irakischen Führung nach Bagdad.
Iraks Vize-Präsident Tarik al-Haschemi rief die deutsche Wirtschaft nach dem Besuch von Glos zu Investitionen in seinem Land auf. Deutsche Firmen sollten sich am Wiederaufbau beteiligen, sagte er am Tag darauf in Bagdad. "Der Irak ist jetzt offen und sucht ausländische Investoren." Deutsche Unternehmen würden jegliche nur mögliche Hilfe seiner Regierung erhalten, erklärte al-Haschemi.
Niemand hat mehr Öl
Glos zeigte sich nach den Gesprächen zuversichtlich über die weitere Entwicklung der Zusammenarbeit. "Die Sicherheitslage ist besser geworden, die Demokratie macht Fortschritte", sagte er. Besseren wirtschaftlichen Beziehungen "steht nichts im Weg". Kein anderes Land im Mittleren Osten habe derzeit so große, noch nicht geförderte Ölvorkommen.
Der Bundeswirtschaftsminister traf in Bagdad mit dem irakischen Premierminister Nuri al-Maliki zusammen. Über Öl und deutsche Firmeninteressen sprach er auch mit Ölminister Hussein al-Schahristani und Industrieminister Fausi al-Hariri. Glos' Mission war - wie bei solchen Reisen üblich - aus Sicherheitsgründen geheim gehalten worden.
Irak will deutsche Technologien
Die irakische Wirtschaft kommt nach Angaben des Glos-Ministeriums Mitte 2008 nach Stagnation und schwachem Wachstum in den Vorjahren wieder auf den Wachstumspfad. In den nächsten Monaten und Jahren stünden im Irak enorme Investitionen im Infrastrukturbereich an. Am 22. Juli wird Iraks Premierminister Nuri al-Maliki in Berlin erwartet. Er sagte laut "Bild am Sonntag" zu Glos: "Ich freue mich auf meinen Besuch in Deutschland. Grüßen Sie (Bundeskanzlerin) Angela Merkel von mir."
Bereits Ende Juni war al-Hariri während einer Sitzung der deutsch-irakischen Kommission in Berlin bei Glos zu Gast. Dabei wurden Schritte zur weiteren Kooperation vereinbart. Glos machte damals deutlich, dem Land komme mit den weltweit zweitgrößten Erdölreserven "eine Schlüsselrolle für die zukünftige Entwicklung des Ölpreises" zu. Andererseits genießen deutsche Firmen und Produkte laut al-Hariri im Irak "ein sehr hohes Ansehen". Er sprach von einer "privilegierten Partnerschaft" in strategischen Bereichen der Infrastruktur wie Chemie, Energie, Maschinenbau, Hochtechnologie, und moderne Landwirtschaft.
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