Politik
Michail Gorbatschow signiert Bücher in Moskau.
Michail Gorbatschow signiert Bücher in Moskau.(Foto: AP)

Raissas Tod nur schwer verkraftet : Gorbatschow stellt Buch vor

Michail Gorbatschow trauert noch immer um seine vor 13 Jahren verstorbene Frau Raissa. Der letzte Staatschef der Sowjetunion stellt in Moskau sein neues Buch vor. Darin äußert sich der 81-Jährige auch zu seinem politischen Schaffen. Er fühle sich schuldig, die UdSSR nicht rechtzeitig reformiert zu haben, schreibt er.

Bilderserie

Der letzte sowjetische Staatschef hat in einem neuen Buch die Liebesgeschichte mit seiner Ehefrau Raissa offengelegt. "Als Raissa noch lebte, sagte ich oft halb scherzend, halb ernst, dass sie Glück habe mit ihrem Ehemann - sie war anderer Meinung: dass ich Glück hätte mit meiner Frau", schreibt Gorbatschow in dem Buch, das er in Moskau vorstellte.

Trauer um seine geliebte Frau 1999.
Trauer um seine geliebte Frau 1999.(Foto: picture-alliance / dpa)

Gorbatschow hatte stets betont, dass die Liebe zu seiner Frau die treibende Kraft in seinem Leben gewesen sei und er in tiefe Trauer verfiel, als sie 1999 an Leukämie starb. Die Liebesgeschichte begann aber nicht reibungslos, wie der 81-Jährige schreibt. Er und Raissa lernten sich an der staatlichen Universität Moskau kennen, wo sie ihm zunächst nur wenig Aufmerksamkeit schenkte.

"Ich dachte, ich verliere den Verstand. Ich wollte Raissa sehen und überall dort sein, wo sie war", schreibt der ehemalige Staats- und KPdSU-Chef. Raissa habe jedoch gerade erst eine schmerzliche Trennung hinter sich gehabt und habe nicht mit ihm ausgehen wollen. Er habe ihr dann ein Liebesgeständnis gemacht. Den ersten Kuss gab es in einem Moskauer Park, wo die beiden in einem See schwammen und plötzlich ein Gewitter aufzog.

Bereits damals habe Raissa sich von den anderen Studentinnen unterschieden, etwa durch ihre Liebe für schöne Kleidung. "Sie hatte eine natürliche aristokratische Ausstrahlung, sie war ein Mensch mit einem ausgeprägten Sinn für ihre eigene Geltung", schreibt Gorbatschow weiter. Auch später, als er Präsident war, sei der Dialog mit seiner Frau nie abgebrochen.

Ihren Tod habe er nur schwer verkraftet und sich noch nie so allein gefühlt, schreibt Gorbatschow, dem die Öffnung der Sowjetunion Ende der 1980er Jahre zugeschrieben wird, und der 1990 den Friedensnobelpreis erhielt.

"UdSSR nicht rechtzeitig reformiert"

Im eigenen Land hatte Gorbatschow aufgrund seiner missglückten ökonomischen Reformen dramatisch an Ansehen verloren. "Ich bedauere noch immer, dass es mir nicht gelungen ist, das Boot, an dessen Steuer ich stand, in einen guten Hafen zu fahren", schreibt er. Er fühle sich schuldig, die Sowjetunion nicht rechtzeitig reformiert zu haben. Auch die KPdSU sei nicht in eine moderne demokratische Partei umgewandelt worden. "Das waren die beiden größten Fehler."

Gorbatschow trat bei der russischen Präsidentenwahl 1996 noch einmal an. Er bekam aber nur 0,5 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sieger wurde Amtsinhaber Boris Jelzin, der 2007 verstarb.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen