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Günter Grass erneuert seine Kritik an Israel.
Günter Grass erneuert seine Kritik an Israel.(Foto: dpa)

"Eine notwendige Torheit": Grass erneuert Israel-Kritik

Sechs Monate ist es her, als Günter Grass mit seinem israelkritischen Gedicht "Was gesagt werden muss" eine heftige Debatte auslöste. Jetzt erneuert Grass seine Kritik an Israel - und verteidigt auf der Eröffnungsfeier des neu gestalteten Günter-Grass-Hauses in Lübeck den Inhalt des Gedichts.

Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat seine Kritik an Israel erneuert und gleichzeitig sein umstrittenes Gedicht "Was gesagt werden muss" verteidigt. "Israel ist eine Atommacht außerhalb jeder Kontrolle. Sämtliche Resolutionen von Seiten der Uno werden missachtet", sagte der Schriftsteller in der Sendung "Wickerts Bücher" auf NDR Kultur.

Zwei Tage vor dem 85. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers wird das neu gestaltete Günter-Grass-Haus in Lübeck eröffnet.
Zwei Tage vor dem 85. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers wird das neu gestaltete Günter-Grass-Haus in Lübeck eröffnet.(Foto: dapd)

Weiter unterstrich Grass: "Israel ist eine Besatzungsmacht und betreibt seit Jahren Landraub, vertreibt Menschen, sieht sie als Menschen zweiter Klasse an. Da sind rassistische Momente in Israel, das Land hat sich in der Beziehung zum Unguten verändert. Das betrübt mich."

"Sehe mich als Freund Israels"

In den im Frühjahr dieses Jahres veröffentlichten Versen behauptete der Nobelpreisträger, Israel bedrohe den Weltfrieden. Es entzündete sich daraufhin eine heftige Debatte, in der Grass weitgehend national und international Schelte erntete. Der Staat Israel erteilte ihm zudem Einreiseverbot und erklärte den Literaten zur Persona non grata.

In seiner aktuellen Stellungnahme stemmte sich der 84-Jährige gegen den Vorwurf des Antisemitismus. "Ich finde, das Beste, was man als Freund Israels - des Staates Israel und der Menschen dort, und ich sehe mich als ein Freund Israels - diesem Land angedeihen lassen kann, ist, es zu kritisieren. Die verweigerte Kritik, so eine kritiklose, quasi philosemitische Haltung, ist für mich eine neue Form von Antisemitismus", sagte er dem NDR.

Grass räumte in der Sendung jedoch auch eigene Fehler ein. Er hätte seinerzeit deutlicher machen müssen, dass sich seine Kritik gegen die Regierung Netanjahus und nicht gegen den Staat Israel richte.

Eröffnung des Günter-Grass-Hauses

Auch auf der offiziellen Eröffnung des neu gestalteten Günter-Grass-Hauses in Lübeck anlässlich des 85. Geburtstags des Schriftstellers verteidigte Grass das Israel-Gedicht. Die Schriftstellerin Eva Menasse, die an der Feier teilnahm, kritisierte: "Ich halte das Gedicht für eine Torheit", woraufhin Grass konterte: "Ja, es war eine Torheit, das so auszusprechen. Aber es war eine notwendige Torheit."

Zahlreiche Prominente nahmen an der Eröffnung teil, darunter Helge Schneider, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig, Altkanzler Gerhard Schröder und Theaterregisseur Armin Petras. "Unsere Gesellschaft braucht Menschen wie Günter Grass, die streitlustig und auch streitfähig sind", würdigte Albig die Verdienste des Literaturnobelpreisträgers. Der verlas später einige Gedichte aus seinem neuen Band "Eintagsfliegen".

Quelle: n-tv.de

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