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Mehr möglich! Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hat immer wieder betont, dass sie mit der Union nicht paktieren will. Doch ihre Wähler sehen das mittlerweile anders.
Mehr möglich! Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hat immer wieder betont, dass sie mit der Union nicht paktieren will. Doch ihre Wähler sehen das mittlerweile anders.(Foto: picture alliance / dpa)

Offener als die Partei: Grüne Wähler flirten mit der Union

Linke Ökos auf der einen, bürgerliche Konservative auf der anderen Seite. So nimmt ein Großteil der Wähler Grüne und Union jahrelang wahr. Doch Wähler verändern sich. Das macht eine Umfrage unter den Wählern der Partei deutlich.

Die Grünen öffnen sich einer Koalition mit CDU und CSU. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag von "Cicero". 74 Prozent der Anhänger der Partei könnten sich ein Bündnis mit der Union "alles in allem gut" vorstellen, heißt es in dem Magazin. Eine Überraschung. Bisher galt eine derartige Koalition aus inhaltlichen, vor allem aber aus parteikulturellen Erwägungen als ausgeschlossen.

Spitzengrüne wie Jürgen Trittin pochten immer wieder darauf, dass mit der Union derzeit kein Bündnis möglich wäre. Der ARD sagte der Fraktionschef kürzlich: Er könne sich "überhaupt nicht vorstellen", mit einer "antieuropäischen CSU" zusammenzuarbeiten. Gleiches gelte für CDU und FDP, die eine Vermögensabgabe für Millionäre ablehnten. Und vielen Mitgliedern der Partei reichte selbst dieses klare Dementi nicht.

Manch einer fordert Ausschluss per Parteitagsbeschluss

Vor kaum einem Monat sprach sich eine Reihe von Grünen aus der zweiten Reihe dafür aus, eine Koalition mit der Union per Parteitagsbeschluss auszuschließen. So sagte der baden-württembergische Landesvorsitzende Chris Kühn: "Wenn die Schwarz-Grün-Debatte weiter befeuert wird, muss man den Brand auf einem Parteitag löschen."

Kurzum: In der Partei ist der Widerstand gegen ein Bündnis seit jeher groß. Doch seit Jahren ist zu beobachten, dass sich Grüne und Christdemokraten bei einigen Themen annähern - das beste Beispiel ist die Energiepolitik. Vor allem verschiebt sich aber die gesellschaftliche Mitte, die erklärte Kernwählerschaft der Union, hin zu den Grünen.  Heute sieht sich die Mehrzahl der Anhänger der Grünen als "bürgerlich".  Hier scheinen die Wähler der Partei schon einen Schritt voraus zu sein. Während die meisten grünen Politiker eine große Nähe zur Union bestreiten, zeigt sich die Anhängerschaft mittlerweile offenbar kompromissbereit.

Grüne haben wenig Optionen

Bei den Grünen, aber auch in der Union, ist Schwarz-Grün seit Monaten ein Thema. Denn beide Parteien können sich auf ihren Wunschkoalitionspartner derzeit nicht verlassen. Die Union bangt um die FDP, die laut Umfragen deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde liegt. Und auch für Grüne im Umfragehoch reicht es wegen einer schwächelnden SPD nicht für eine Regierungsmehrheit.

Fraglich ist, ob die Grünen-Anhänger sich aus Überzeugung für eine Koalition mit der Union anfreunden, oder weil es sich derzeit abzeichnet, dass die einzige Regierungsoption der Grünen ein Bündnis mit der Partei Merkels ist.

Erst Anfang Januar hatte eine Umfrage noch ein gänzlich anderes Bild zur Aufgeschlossenheit der Grünen-Anhänger für eine Koalition mit der Union gezeichnet. Laut einer internen Studie des Instituts TNS Infratest wollten damals 55 Prozent der Grünen-Wähler der Partei ihre Stimme verweigern, wenn die sich zur Union öffnet.

Quelle: n-tv.de

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