Politik
Warnt vor Aktionismus: Grünen-Chefin Simone Peter.
Warnt vor Aktionismus: Grünen-Chefin Simone Peter.(Foto: picture alliance / dpa)

"Wahnsinn": Grünen-Chefin saß in Brüssel fest

Simone Peter ist eigentlich zu Terminen nach Brüssel gereist, doch daran kann sie nicht teilnehmen. Nach den Anschlägen versteckte sich die Grünen-Chefin mit Kollegen in einem Gebäude in der Innenstadt. Telefonisch berichtet sie über die Lage.

Simone Peter spricht von "einem Schock". Sie sitzt an diesem Dienstagvormittag mittendrin im Chaos, mitten im Zentrum von Brüssel im Gebäude der Heinrich-Böll-Stiftung. Eigentlich wollte die Grünen-Chefin mit Abgeordneten aus dem EU-Parlament frühstücken, anschließend stand ein Treffen mit den Vorsitzenden der Grünen-Parteien aus Europa auf dem Programm. Eigentlich.

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Beide Termine fielen aus - wegen der Terroranschläge in Brüssel. Deshalb bleibt Peter nun nichts anderes übrig, als auszuharren. Zu warten, dass der Ausnahmezustand endet. Sie sitzt fest in dem Gebäude am Place du Luxembourg, direkt am Europäischen Parlament. Kaum mehr als einen halben Kilometer entfernt von der Metrostation Maelbeck, wo es am Vormittag mehrere Explosionen und Tote gegeben hat. Alle Menschen in Brüssel sollen bleiben, wo sie sind – das hat das Krisenzentrum in der belgischen Hauptstadt angeordnet.

Aus dem Fenster beobachtet Peter das Chaos. Am Telefon erzählt sie n-tv von umherlaufenden Menschen, den mit Autos verstopften Straßen. Alle versuchen irgendwie aus dem Zentrum der Stadt rauszukommen, der öffentliche Nahverkehr steht still. Peter beobachtet Militärfahrzeuge, die Posten beziehen. Die höchste Alarmstufe sei ja nicht ohne Grund ausgerufen worden, sagt sie.

"Ausschließen kann man das nirgendwo"

Was das jetzt alles bedeutet – für Europa, für Deutschland? "Wir müssen natürlich alle Möglichkeiten ausloten, wie wir Sicherheit für die Bevölkerung gewährleisten können. Mehr Polizeipräsenz", sagt sie, die Grüne. Sogleich schiebt sie hinterher, dass man sich natürlich nicht komplett abschotten könne. Einen Überwachungsstaat dürfe es nicht geben. "Wir wollen doch in einem offenen Europa leben." Man müsse alles tun, die Flüchtlinge zu integrieren. Die, die keinen terroristischen Hintergrund haben, ergänzt sie.

Ob so etwas wie in Brüssel auch in Deutschland passieren könne? "Komplett ausschließen kann man das nirgendwo", sagt Peter. Sie spricht über das abgesagte Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im November, kurz nach den Anschlägen in Paris. Man müsse sich eingestehen, dass die Zeiten unsicherer geworden seien. Nur dürfte man jetzt nicht den Fehler machen und die Debatte auf die übertragen, die Schutz suchen. "Das muss sehr ausgewogen sein", mahnt Peter. Da helfe kein Aktionismus. "Unsere Freiheit und die offenen Grenzen dürfen wir nicht infrage stellen."

Erst später erfährt Peter, dass eine ihrer Mitarbeiterinnen kurz vor den Anschlägen am Flughafen eingecheckt hatte und unverletzt blieb. "Wahnsinn", twittert sie aus den Räumen der Böll-Stiftung in Brüssel. Wann sie nach Berlin zurückkehren kann, weiß sie noch nicht. Die restlichen Termine des Tages sind erst einmal abgesagt. Am Nachmittag hatte Peter das Gebäude offenbar verlassen. Sie twitterte, dass sie sich mit einem Taxi einen Weg aus der Stadt suche.

Quelle: n-tv.de

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