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(Foto: picture alliance / dpa)

Studie zeigt Zerissenheit: Gute Migration, böse Migration

Zuwanderung gilt als Lösung für viele Probleme in Deutschland: zur Bekämpfung des Fachkräftemangels oder zur Förderung der Attraktivität des Standorts für internationale Konzerne etwa. Das sehen einer Umfrage zufolge auch die meisten Deutschen so. Migration deswegen zu erleichtern - soweit wollen dann aber die wenigsten gehen.

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Eine neue Studie zeigt, wie skeptisch die Deutschen Zuwanderung gegenüberstehen. Zwar hält die Mehrheit bei einer Emnid-Befragung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung Deutschland für ein attraktives Einwanderungsland. Ob Zuwanderung dem Land schadet oder nutzt, bewerten die Deutschen jedoch zwiespältig. Deutlich wird dabei vor allen Dingen: Je jünger die Befragten, desto mehr schwinden die Vorbehalte gegen Zuwanderer. TNS Emnid hatte im Oktober 1002 Menschen ab 14 Jahren befragt.

Für die Befragten unter 29 Jahren überwiegen die Vorteile von Zuwanderung, heißt es in der Studie. Diese Altersgruppe schätzt die Leistungen der bereits länger in Deutschland lebenden Zuwanderer höher ein und ist mehrheitlich für erleichterte Einbürgerungen und Gesetze gegen Benachteiligung von Zuwanderern.

Zuwanderung erleichtern wollen nur wenige

Im Durchschnitt sind die Deutschen allerdings hin- und hergerissen, ob Zuwanderung eher nutzt oder schadet. So sagen sieben von zehn Befragten, Zuwanderung erleichtere die Ansiedlung internationaler Firmen und mache das Leben in Deutschland interessanter. 62 Prozent heben hervor, dass die Überalterung der Gesellschaft vermindert werde. Jeder Zweite betrachtet Zuwanderung als wirksames Mittel gegen Fachkräftemangel.

Dagegen sind jedoch auch knapp zwei Drittel der Befragten der Auffassung, Zuwanderung führe zu zusätzlichen Belastungen in den sozialen Sicherungssystemen, zu Konflikten mit Einheimischen und zu Problemen in den Schulen. Und weniger als jeder Zweite spricht sich in der Umfrage dafür aus, Einbürgerung zu erleichtern, doppelte Staatsbürgerschaft zu ermöglichen oder Anti-Diskriminierungsgesetze zu verschärfen.

"Deutschland unterschätzt die Bedeutung einer Willkommenskultur und überschätzt die Attraktivität als Einwanderungsland", bewertete Ulrich Kober, Integrationsexperte der Bertelsmann Stiftung, die Ergebnisse. Tatsächlich werde Deutschland von Hochqualifizierten aus Nicht-EU-Ländern gemieden. "Ohne Offenheit sind wir nicht attraktiv für qualifizierte Zuwanderer, die wir allein aufgrund der demografischen Entwicklung dringend brauchen", betonte Kober.

Quelle: n-tv.de

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