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Mittwoch, 30. August 2017

Wahlkampf-Glamour in Kulmbach: Guttenberg beschwört eine alte Liebe

Seine Anhänger haben lange darauf gewartet: "KT" Guttenberg kehrt in Kulmbach auf die politische Bühne zurück. In lockerem Hemd und unrasiert versprüht der Ex-Minister als CSU-Wahlkampfhelfer das Flair des Silicon Valley. Die Affäre um seine Doktorarbeit? Abgehakt.

Als die Kulmbacher Stadthalle die Tore öffnet, geht Andreas Spreng als einer der Ersten rein. "Welcome in Bavaria, Karl Theodor!" steht auf dem selbst geschriebenen Plakat des 81-Jährigen und auf der Rückseite: "KT für Bayern und Berlin". Die bis zur Plagiatsaffäre verbreitete Guttenberg-Euphorie ist zurück - zumindest in Kulmbach, wo der Ex-Verteidigungsminister in den Wahlkampf einsteigt.

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1100 Menschen schwitzen in der vollen, stickigen Halle, um den Stargast zu sehen . Auch Guttenbergs Frau Stephanie und der vom zehn Kilometer entfernten Stammsitz der Familie angereiste Vater, der Dirigent Enoch zu Guttenberg, sind gekommen. Das Händeschütteln mit seinen Fans fällt für den 45-Jährige recht umständlich aus - er ist an der Hand verletzt. Guttenberg macht den Menschen aus seiner Heimatregion eine Vielzahl von Komplimenten, beschwört voll Pathos seine Heimatliebe.

Er habe ein paar Tage Urlaub im Frankenwald hinter sich und dort eine Luft atmen dürfen, wie er sie in seiner neuen Wahlheimat USA nicht mehr zu atmen bekomme. Er habe dabei "einmal mehr spüren dürfen, was Heimat bedeutet".

Das kommt gut an beim Publikum - auch bei dem extra aus Ingolstadt angereisten Plakatträger Spreng. "Ich komme aus der Heimat von Horst Seehofer und habe ihm vergangenen Freitag auch erzählt, dass ich mit einem Plakat hier sein werde", sagt der Rentner. Die Reaktion des CSU-Chefs: "Er hat sich darüber gefreut." Ja, Seehofer hat allen Grund zur Freude. Der Wahltag rückt näher, und ungelöste Streitthemen wie die Obergrenze sind abgehakt.

Guttenberg lobt die Kanzlerin

Karl-Theodor zu Guttenberg auf der Bühne in Kulmbach: Es ist der erste von mehreren Wahlkampfauftritten.
Karl-Theodor zu Guttenberg auf der Bühne in Kulmbach: Es ist der erste von mehreren Wahlkampfauftritten.(Foto: REUTERS)

Dafür profitiert der CSU-Chef von der Aufregung um den einstigen Hoffnungsträger, den er selbst mal als "Glühwürmchen" verspottet hatte. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel dürfte die Wahlkampfhilfe aus Bayern zusagen, zumindest lobt Guttenberg die Kanzlerin mehrfach unter Applaus. Deutschland sei bei seiner "ehemaligen Chefin" in den besten Händen, sagt er. Dass Schulz die Kanzlerin abgehoben nennt, sei lächerlich.

Unter die Zuhörer in Kulmbach mischt sich auch Hans-Peter Friedrich. Der wie Guttenberg aus Oberfranken stammende Ex-Bundesinnenminister ist unter den Guttenberg-Befürwortern in der CSU lange der größte Drängler gewesen, was ein Comeback angeht. Doch an diesem Abend hält er sich zurück. "Wir machen hier Wahlkampf", sagt er nur knapp. Guttenberg selbst hält seine Plagiatsaffäre für überwunden. "Ich habe, glaube ich, alle Konsequenzen gezogen und getragen." Nach langer Zeit dürfe er sagen: "Jetzt ist auch mal irgendwann gut."

Comeback nicht ausgeschlossen

An dem Skandal um seine Doktorarbeit im Jahr 2011, seinem anschließenden Rücktritt von allen Ämtern und dem Verzicht auf das Bundestagsmandat, würde in Franken ein Comeback nicht scheitern. Im Gegenteil. "Ich bin vor allem hier, weil man ja damals ganz fürchterlich unfair mit ihm umgegangen ist", sagt der 79-jährige Helmut Gunreben. "Das ist heute eine Wiedergutmachung." Gunreben war mal mit seiner Frau bei einer vom Landrat organisierten Fahrt auf dem Guttenbergschen Schloss.

"In bester Erinnerung" habe er den Tag, sagte er. Schließlich habe der Baron mit seiner Frau Stephanie die Gäste ja sogar persönlich begrüßt. Ein Glamour in Franken, wie es ihn seither nicht mehr gab. Auch Monika Schiller, die im Örtchen Guttenberg zur Welt kam und jetzt in der ersten Reihe unter dem Rednerpult des Ex-Ministers steht, sehnt die alte Zeit herbei. "Ich war damals schon enttäuscht, dass er so lange nicht die Wahrheit gesagt hat. Doch jetzt haben wir ihm längst verziehen."

Quelle: n-tv.de

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