Sonntag, 20. Dezember 2009
"Auch mit Taliban sprechen": Guttenberg definiert selbst
Verteidigungsminister Guttenberg kann sich vorstellen, unter Umständen auch mit gemäßigten Taliban zu sprechen, um die Lage in Afghanistan zu stabilisieren. Nicht jeder Aufständische bedrohe gleich die westliche Gemeinschaft. Und der Minister definiert, wie er sich gemäßigte Taliban vorstellt.Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte in einem Interview in der "Welt am Sonntag" auf die Frage, ob Gesprächskanäle auch zu bestimmten Taliban-Gruppen errichtet werden müssten, dass er dafür sei, "zu Volksgruppen und Stämmen offene Kommunikationskanäle zu halten, solange man sich dadurch nicht selbst eine Falle stellt".
Guttenberg definierte, wie er sich gemäßigte Taliban vorstellt: "Es gibt Unterschiede zwischen Gruppen, die aus der radikalen Ablehnung des Westens die Bekämpfung unserer Kultur zum Ziel haben, und etwa solchen, die sich ihrer Kultur vor Ort verbunden sehen." Das Abschneiden von jeglicher Kommunikation halte er "mittlerweile nicht mehr für allgemein gültig - allerdings müssen Kriterien gelten".
Obama nicht widerspruchlos antworten
Guttenberg lehnte es ab, den Wunsch von US-Präsident Barack Obama nach einer Aufstockung des Afghanistan-Truppenkontingents widerspruchslos zu übernehmen: "Ich wäre vorsichtig mit dem Satz: Man muss Obama folgen. Wir sollten den Anspruch haben, eine Strategie anzustreben, die eigene Erfahrungswerte einbringt."
Im Hinblick auf die Ende Januar in London tagende Afghanistan-Konferenz sagte der Verteidigungsminister: "Der erste logische Schritt eines neuen strategischen Ansatzes ist nicht der, dass man sagt: Wir nehmen jetzt mehr Soldaten, und dann folgt die Strategie. Wir formulieren jetzt die Strategie, und aus der folgt, wie viele Truppen und Zivilkräfte man braucht. Ob man mehr Soldaten braucht oder im bestehenden Rahmen zurechtkommt, ist noch offen."
Der Minister kritisierte aus demselben Grund SPD-Chef Sigmar Gabriel. Zu dessen Ablehnung jeder Aufstockung des Bundeswehr-Kontingents für Afghanistan sagte Guttenberg: "Das hieße: Festlegung vor Strategie."
Einen Rücktritt wegen der Informationspannen rund um den Luftschlag von Kundus Anfang September lehnte Guttenberg ab: "Ich messe die Rücktrittsforderungen an der Qualität der Vorwürfe. Es hat sich ja gezeigt, dass das alles wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt."
dpa
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