Freitag, 12. März 2010
Spätfolge der Kundus-Affäre: Guttenberg entlässt General
Der Verteidigungsminister entlässt einen weiteren General - offenbar wegen Differenzen über das Krisenmanagement nach dem Bundeswehr-Luftangriff. General Hars soll Guttenberg in einem Brief allzu deutlich kritisiert haben. Nun ist er im Ruhestand.Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat einen weiteren General in den einstweiligen Ruhestand versetzt – offenbar wegen der Kundus-Affäre. Der frühere Gruppenleiter im Bundeskanzleramt und Militärattaché in Washington, Henning Hars, hatte sich nach der Entlassung des Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan im Zuge der Kundus-Affäre in einem Brief an Guttenberg gewandt.
Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums führten daraufhin Staatssekretär Rüdiger Wolf und ein weiterer Vorgesetzter Gespräche mit Hars. "Als Ergebnis dieser Gespräche haben beide dem Minister die Versetzung des Brigadegenerals Hars in den einstweiligen Ruhestand empfohlen", erklärte ein Sprecher. Guttenberg sei dieser Empfehlung gefolgt und habe Bundespräsident Horst Köhler gebeten, den Brigadegeneral in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen.
Zu viele Nachfragen?
Hars habe nach der Entlassung Schneiderhans dem Minister einen Brief geschrieben, wie der Berliner "Tagesspiegel" berichtete. Darin habe Hars den Minister nach den Gründen für die Entlassung des obersten Soldaten der Bundeswehr im November 2009 gefragt. Außerdem wollte er wissen, warum Guttenberg den umstrittenen Luftangriff auf zwei Tanklastzüge bei Kundus im September 2009 zunächst als "militärisch angemessen" und später als "militärisch unangemessen" bezeichnet habe. Eine Antwort erhielt Hars demnach nicht. Das Verteidigungsministerium äußerte sich nicht zum Inhalt des Briefes.
Hars verwies der Zeitung gegenüber auf seine Verschwiegenheitspflicht, gegen die zu verstoßen ihn seine Pensionsansprüche kosten würde, und kommentierte den Vorgang nicht.
Bereits Ende November mussten Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert wegen Informationspannen im Zusammenhang mit der Kundus-Affäre ihre Ämter niederlegen. In der kommenden Woche sagen beide vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss des Bundestags aus. Bei dem von einem Bundeswehroberst befohlenen Angriff bei Kundus waren Anfang September 2009 bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden.
AFP/dpa
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