Politik
(Foto: picture alliance / dpa)

"So etwas wie eine Strohfrau der SED-Erben": Gysi-Vertraute war Stasi-Agentin

Ruth Kampa ist eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen der Linksfraktion im Bundestag und auf vielfältige Weise mit der Partei verbunden. Die "Welt" zitiert nun aus ihrer Stasi-Akte: Kampa arbeitete als Spitzel und soll jetzt ehemaliges SED-Geld verwalten.

Die Linkspartei muss sich mit Stasi-Verwicklungen einer führenden Mitarbeiterin auseinandersetzen. Wie die "Welt" berichtet, arbeitete die Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion, Ruth Kampa, knapp 20 Jahre lang für den ostdeutschen Geheimdienst. Kampa soll eine "Top-Spionin" gewesen sein und noch im Oktober 1989, also nach dem Fall der Mauer, an Kontakten in BRD-Ministerien gearbeitet haben.

Jetzt sei Kampa "so etwas wie eine Strohfrau der SED-Erben", schreibt die "Welt": Bis heute sei sie "an etlichen Gesellschaften beteiligt, deren Vermögen unzweifelhaft aus der Hinterlassenschaft der Honecker-Partei stammen".

Die "Welt" zitiert ausgiebig aus der Stasi-Akte von Kampa, die unter den Decknamen "Sonja Richter" und "Ruth Reimann" arbeitete. Schon als Schülerin sei sie angeworben worden und hätte später Karriere im Außenministerium der DDR gemacht. Sie ließ sich als "DDR-Sprecherin" zitieren und reiste in die Bundesrepublik, die Sowjetunion, nach Großbritannien, die Schweiz und Ungarn.

Bei diesen Reisen beobachtete sie die Kollegen ihrer Delegation und legte Profile von ihnen an. Auch von Tagungen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und der UN-Menschenrechtskommission brachte sie Informationen mit. In ihrer Stasi-Akte wird ihr "Einsatzbereitschaft und Zuverlässigkeit" attestiert. In Westberlin habe sie ihrerseits weitere Spitzel für die Stasi angeworben.

Sprecher: Vergangenheit spielt "untergeordnete Rolle"

Nach der Wende engagierte sich Kampa dann in der SED-Nachfolgepartei PDS, die mittlerweile in der Partei "die Linke" aufgegangen ist. Zunächst tauchte sie dort als Vorsitzende eines Unterstützervereins für die Parteizeitung "Neues Deutschland" auf und investierte mindestens eine Million in das Blatt.

Mittlerweile ist Kampa angestellte Geschäftsführerin der Linken-Fraktion im Bundestag und dort für Organisation und Personal verantwortlich. Sie kann im Namen der Fraktion Verträge abschließen. Außerdem vertritt die Juristin ihre Partei im Bundeswahlausschuss. Sie soll eine enge Vertraute ihres Chefs Gregor Gysi sein.

Der Entscheidung, ob Kampa in der nächsten Legislaturperiode ihren Job weiterführen kann, sei Sache der neuen Fraktion, erklärte Fraktionssprecher Hendrik Thalheim. Kampa habe aber als Fraktionsgeschäftsführerin gute Arbeit geleistet. Da sie nicht für ein Mandat oder öffentliches Amt kandidiere, spiele ihre Vergangenheit eine untergeordnete Rolle. 

Die "Welt" schreibt, Kampa habe ihre Akte selbst nie eingesehen und wolle sich zu all dem nicht äußern. Vorläufig sagte sie: "Das muss ich jetzt erst einmal sacken lassen."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen