Dienstag, 18. Januar 2011
Griff in die Staatskasse: Haiti setzt "Baby Doc" fest
Die bitterarmen Haitianer staunten nicht schlecht, als ihr verhasster Ex-Diktator nach 25 Jahren im französischen Exil angeflogen kam und seither in einem Luxushotel residiert. Genau dort nun wird er von der Polizei verhaftet. Die Behörden wollen wissen, ob der 59-Jährige sich während seiner Herrschaft aus der Staatskasse bedient hat.Der haitianische Ex-Diktator Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier ist knapp zwei Tage nach seiner überraschenden Rückkehr in Haiti festgenommen worden. Wie haitianische Reporter berichteten, wurde der 59-Jährige nach einem Verhör von der Polizei in dem Luxushotel "Karibe" in Port-au-Prince verhaftet. Vor dem Eingang fuhr ein Gefangenen-Transporter vor. Der als "Baby Doc" bekannte Ex-Potentat war erst am Sonntag nach 25 Jahren Exil in Frankreich in sein zerrüttetes Heimatland zurückgekehrt.
Bewaffnete Polizisten führten Duvalier aus dem Hotel und brachten ihn zur Befragung zur Staatsanwaltschaft. "Herr Duvalier ist unter der Kontrolle der Justiz", sagte der leitende Staatsanwalt Aristidas Auguste, "er ist nicht frei."
Wie es hieß, wollen die Behörden Duvalier wegen des Verdachts der Veruntreuung vernehmen. Bei der Befragung solle geklärt werden, ob der 59-Jährige während seiner Herrschaft Geld aus der Staatskasse geklaut habe, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter.
Als Duvalier begleitet von seiner Frau vor das von der Polizei abgeriegelte Hotel trat, kam es zu Tumulten. Einige seiner Anhänger hatten sich dort versammelt und skandierten: "Lasst Duvalier frei!". Dann versuchten sie vergeblich, mit brennenden Autoreifen einen Polizeiwagen am Abtransport Duvaliers zu hindern.
Schon vor der Festnahme musste sich der Ex-Diktator den Justizbehörden zur Verfügung halten. "Baby Doc" besitzt nach Medienberichten aus Haiti ein Rückflugticket noch für diese Woche. Seit seiner Rückkehr hielt er sich in dem von der Polizei abgeriegelten Hotel auf.
Ein Bürger wie jeder andere
Duvalier sei wie jeder andere Bürger Haitis auch der Gerichtsbarkeit unterworfen, machte Ministerpräsident Jean-Max Bellerive am Montagabend (Ortszeit) am Rande einer Pressekonferenz in Port-au-Prince deutlich. Es gebe juristische Verfahren in einer Geldangelegenheit, die den Staat Haiti und "Monsieur Duvalier" beträfen. "Es gibt internationale Prozesse und Prozesse in Haiti. Ich wiederhole, wir nehmen das nicht leicht."
Menschenrechtsgruppen machen Duvalier für die Ermordung und Folter von Tausenden Gegnern verantwortlich. Sie fordern, ihn deswegen vor Gericht zu stellen.
Duvalier hatte 1971 das Terrorregime seines verstorbenen Vaters, des Arztes François Duvalier (Papa Doc), übernommen, dessen Amtszeit mehr als 30.000 Menschen das Leben kostete. Duvalier Junior werden systematische Folterungen vorgeworfen. Zudem soll er hunderte Millionen Dollar auf Privatkonten abgezweigt haben. 1986 wurde er aus dem Amt gejagt.
dpa/rts
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