Politik
Wills Gäste, von links nach rechts: Thomas Oppermann, Volker Kauder, Alice Weidel und Christian Lindner.
Wills Gäste, von links nach rechts: Thomas Oppermann, Volker Kauder, Alice Weidel und Christian Lindner.(Foto: NDR/Wolfgang Borrs)
Montag, 21. August 2017

Wahl-Talk bei "Anne Will": Hat Schulz noch eine Chance?

Von Julian Vetten

Die Union sitzt fest im Sattel, die SPD dümpelt im Umfragetief: Fünf Wochen vor der Bundestagswahl kann von Wechselstimmung keine Rede sein. Ist das Rennen um die Kanzlerschaft vorüber, ehe es überhaupt richtig begonnen hat?

FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner hat vor kurzem ausformuliert, was in den Köpfen der meisten Deutschen wohl ohnehin als gesetzt gelten dürfte: Dass der Kampf um die nächste Kanzlerschaft längst entschieden ist und Angela Merkel auf einen sicheren Sieg setzen könne. "Merkel oder Merkel: Hat Deutschland nur diese Wahl?", möchte Anne Will in ihrer ersten Sendung nach der Sommerpause dann auch folgerichtig von ihren Gästen wissen.

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Eingeladen sind neben dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann der Unions-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder sowie die Spitzenkandidaten von AfD und FDP, Alice Weidel und Christian Lindner. Und irgendwie auch die Bundeskanzlerin, zumindest wenn man danach geht, wie häufig sich das Gespräch ausschließlich um ihre Person dreht. Dagegen kann man an einer Hand abzählen, wie oft der Name Martin Schulz fällt.

"40 Prozent der Menschen haben sich noch nicht entschlossen, wen sie am Ende wählen", versucht es zumindest Thomas Oppermann zu Beginn der Sendung mit Zweckoptimismus. Der SPD-Politiker steht vor der undankbaren Aufgabe, seinen Kanzlerkandidaten irgendwie in Stellung zu bringen, ohne dabei die Regierungsarbeit der eigenen Partei in den vergangenen Jahren zu unterminieren - und das klappt erwartungsgemäß eher schlecht als recht: "Die Große Koalition darf keine Dauereinrichtung werden", ist noch das Griffigste, was bei dem Versuch herauskommt.

Die Verwaltung des Status Quo?

"Der Wahlkampf kommt in die intensive Phase, entschieden ist noch gar nichts", sagt CDU-Mann Kauder, weil man so etwas als direkte Konkurrenz in so einer Situation nun einmal sagen muss - näher an der Realität liegt da wohl schon Christian Lindner, der seine Aussagen aus den vergangenen Wochen nochmal auf den Punkt bringt: "Das Rennen zwischen SPD und CDU/CSU ist nicht mehr von Belang, dafür sind die Unterschiede in den Umfrageergebnissen zu groß. Damit ist aber die Wahl noch nicht gelaufen, denn nun ist entscheidend, wer dritte Kraft im Lande wird." Das soll nach dem Willen des FDP-Kanzlerkandidaten natürlich seine eigene Partei sein.

Wählerstimmen erhofft sich Lindner dabei offenbar vor allem aus dem Unionslager, indem er zumindest an diesem Abend Themen besetzt, die nicht wenigen CDU/CSU-Wählern sauer aufgestoßen sein dürften: So fordert der FDP-Chef eine Entschädigung deutscher Autofahrer im Dieselskandal und wirft der Kanzlerin ihren Umgang mit der Flüchtlingskrise vor. "Im Alltag die Verwaltung des Status Quo und Kurzschlussreaktionen in Krisensituationen wie die Öffnung der Grenzen in der Flüchtlingskrise, das geht gar nicht", findet Lindner.

Geschickt gräbt er damit auch gleichzeitig Alice Weidel das Wasser ab: Die Spitzenkandidatin der AfD bezeichnet die Bundeskanzlerin zwar erneut als "Extremismus-Kanzlerin", hält sich sonst aber auffallend zurück, wenn es um Zuwanderung und Innere Sicherheit geht. Stattdessen beklagt sie die "völlig rechtswidrige Eurorettungspolitik der Bundesregierung" und bemüht sich, die Reizworte in ihren Sätzen möglichst kursiv auszusprechen. Ob das die richtige Strategie für die letzten Wochen vor der Wahl ist bleibt abzuwarten, zumindest Kauder macht sich deswegen aber keine Sorgen: "Die AfD war mal zweistellig, das ist sie längst nicht mehr", sagt der Unionspolitiker und lächelt dabei siegessicher. Wohl nicht ganz zu Unrecht: Fünf Wochen vor der Wahl sieht es tatsächlich nicht danach aus, als hätte die Bundeskanzlerin von irgendeiner Seite noch ernsthafte Probleme zu erwarten.

Quelle: n-tv.de

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