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Wer übernimmt die Eon-Altlasten?: Hendricks lehnt AKW-Verstaatlichung ab

Die Spaltung bei Deutschlands größtem Energiekonzern löst eine Kaskade an Fragen aus. Umweltministerin Hendricks stellt vorsorglich klar: Die öffentliche Hand wird die Kosten für Abschaltung und Entsorgung von Kernkraftwerken nicht übernehmen.

Der Umbruch in der Stromwirtschaft führt nach Angaben von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks keineswegs zu einer Verstaatlichung von Risiken alter Atomkraftwerke. "Auch im Falle einer Unternehmensaufspaltung bleibt die Industrie selbstverständlich verantwortlich, die Kosten für die Stilllegung und den Rückbau der Atomkraftwerke sowie für die Entsorgung des Atommülls zu tragen", sagte Hendricks der "Rheinischen Post" mit Blick auf die Unternehmensteilung beim Versorger Eon.

"Eine Verstaatlichung von Risiken nach jahrzehntelangen Gewinnen aus den Atomkraftwerken kommt nicht in Frage", betonte die SPD-Politikerin. Ähnlich hatte sich zuvor bereits Justizminister Heiko Maas geäußert. Er sehe keine Möglichkeit für Energiekonzerne, die Kosten für den Atommüll loszuwerden. Egal welche Gesellschaftsstruktur sie sich geben, sie können sich nicht aus der gesetzlichen Verpflichtung stehlen, sagte Maas.

Wer bezahlt für den Müll?

Der Energieversorger Eon hatte zu Wochenbeginn angekündigt, das kaum mehr gewinnbringende Hauptgeschäft mit Atom, Kohle und Gas aufgeben und in ein eigenständiges Unternehmen abspalten zu wollen. Eon begründete dies mit milliardenschweren Gewinneinbrüchen infolge der Energiewende, also der Neuausrichtung der deutschen Energiepolitik. Der hoch verschuldete Düsseldorfer Dax-Konzern will sich künftig auf Erneuerbare Energien, Energienetze und intelligente Kundensysteme konzentrieren.

Eon ist Deutschlands größter Energieversorger und gehörte 2013 mit einem Umsatz von rund 122 Milliarden Euro zu den zehn größten Energiekonzernen der Welt. Nach eigenen Angaben beschäftigt Eon etwa 62.000 Mitarbeiter in Europa, Russland und Nordamerika. Rund 35 Millionen Kunden beziehen Strom von Eon. Der Düsseldorfer Konzern entstand 2000 aus der Fusion der beiden Industrieunternehmen Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks AG (Veba) und Vereinigte Industrieunternehmungen AG (Viag).

Kosten für sieben Meiler

Eon betreibt in Deutschland sieben Atomkraftwerke, den Großteil davon in Norddeutschland. Nach den Plänen der Bundesregierung muss Eon bis 2022 das letzte seiner AKW vom Netz nehmen. Schon jetzt liefern die beiden Kraftwerke Isar 1 in Bayern sowie das Kernkraftwerk Unterweser in Niedersachsen keinen Strom mehr. Sie befinden sich in der sogenannten Nachbetriebsphase.

Neben AKW betreibt Eon in Europa 14 Kohlekraftwerke - zwölf Steinkohle- und zwei Braunkohlekraftwerke. Der Großteil davon steht in Deutschland, drei in Frankreich. Die zwölf Gaskraftwerke des Düsseldorfer Energiegiganten stehen in Deutschland, Ungarn, der Slowakei und Tschechien.

Seit 2007 hat Eon rund zehn Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert und betreibt weltweit 135 Wind-, 100 Wasser- und neun Solarkraftwerke. Sie stehen in zahlreichen Ländern der EU und in den USA. Neben konventionellen und erneuerbaren Energien ist Eon auch in den Bereichen Energieeffizienz, der weltweiten Förderung von Öl und Gas, der Gasspeichertechnologie sowie der Stromverteilung tätig.

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Quelle: n-tv.de

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