Samstag, 11. Juli 2009
Lecker Frühstück!: Heute: Lebensmittelimitate
Er heißt "Analogkäse" und hat nicht viel mit Käse gemeinsam: statt Milch enthält er Pflanzenfett, Wasser und Eiweißpulver. Neben Käse- und Schinkenimitaten werden bereits immer mehr Produkte künstlich im Labor hergestellt. Das ruft Politiker und Verbraucherschützer auf den Plan.Die Kritik an der Verwendung von Lebensmittelimitaten wie künstlichem Schinken und Käse wird lauter. "Es ist ein Skandal, wenn versucht wird, Verbraucher zu täuschen, und ihnen billige Ersatzstoffe unterzuschieben", sagte der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Ulrich Kelber, der "Passauer Neuen Presse". Er sprach sich dafür aus, die Namen derjenigen zu veröffentlichen, die den Verbrauchern solche Produkte unterschieben.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) plädiert für eine klare Kennzeichnung, Kontrollen und Sanktionen. "Wir sind gegen jede Form des Manschens und Panschens", sagte NGG-Chef Franz-Josef Möllenberg der Zeitung. Notwendig seien Reinheitsgebote für Lebensmittel.
"Totale Verbraucherveräppelung"
Die Verbraucherbeauftragte der Unionsfraktion, Julia Klöckner, verlangte im Berliner "Tagesspiegel" eine bessere Kennzeichnungspflicht, die eine Täuschung der Verbraucher verhindere. Die Hersteller hielten sich zwar an Gesetze, wenn sie die Zutaten korrekt angäben, dennoch handele es sich um "totale Verbraucherveräppelung", sagte sie. Bei Imitaten müsse "draufstehen, dass es sich um Imitate handelt". Der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure forderte eine Aufstockung des Personals. In Deutschland fehlten 1200 Kontrolleure.
Schön und billig essen
Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sieht den Grund für die zunehmende Verwendung gefälschter Lebensmittel vor allem im Preiskampf im Lebensmittelhandel. Die ständigen Preissenkungen führten auch zu "solchen Fehlentwicklungen, dass zunehmend Imitate bei der Lebensmittelherstellung angewendet werden", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Schummel-Käse oder Schnitzel ohne Fleisch" seien "regelrecht Plagiate von qualitativ hervorragenden Lebensmitteln", die die Bauern mit hohem Aufwand und Glaubwürdigkeit erzeugten.
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hatte sich vor kurzem gegen die Verwendung von Schinken- und Käse-Imitaten ausgesprochen. Sie forderte eine freiwillige Selbstverpflichtung der Gastronomie, solche Produkte nicht mehr anzubieten und warnte die Wirtschaft vor einem Imageschaden. Mogelschinken besteht aus Stärke-Gel und kleinen Fleischstücken, Analogkäse aus Wasser, Pflanzenfett, Milcheiweiß, Stärke, Aromen und Farbstoffen. Beides ist in der Herstellung billiger als richtiger Käse und Schinken.
dpa
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