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Rohmilch-Proben im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Bislang wurden bei den Analysen keine Auffälligkeiten festgestellt.
Rohmilch-Proben im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Bislang wurden bei den Analysen keine Auffälligkeiten festgestellt.(Foto: picture alliance / dpa)

620 Proben untersucht: Höfe dürfen wieder liefern

Bei Landwirten ist tonnenweise vergifteter Futtermais gelandet - und damit in den Mägen der Tiere. Die Analysen möglicherweise belasteter Milch laufen auf Hochtouren. Zahlreiche Höfe dürfen wieder liefern, andere bleiben noch gesperrt. Müssen Hersteller künftig Millionen für bessere Kontrollen zahlen?

Im Skandal um verseuchtes Tierfutter droht die Politik der Industrie mit Kontrollgebühren in Millionenhöhe. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) brachten solche Gebühren für stärkere Kontrollen ins Gespräch. Am Samstagabend teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mit, dass weit mehr Landwirte von dem Skandal betroffen seien als bisher bekannt. 

Die Behörden waren auf ein weiteres Futtermittelunternehmen gestoßen, das verseuchten Mais mit dem Schimmelgift Aflatoxin weitergeliefert habe. Die Zahl der belieferten Betriebe betrage nunmehr mindestens 4467. Neue Milchviehbetriebe seien aber nicht hinzugekommen. Zuvor war von 6457 Betrieben die Rede gewesen. Diese Zahl sei jedoch auf Doppelnennungen hin überprüft und entsprechend korrigiert worden, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium.

Futtermittelhersteller hätten Vertriebslisten verspätet beim Land eingereicht, erklärte das Ministerium die Zahlen. Die Unternehmen hätten die Unterlagen bereits am Dienstag abgeben müssen - drei Firmen hätten das aber erst am späten Freitagnachmittag getan.

Leber und Nieren womöglich belastet

Die niedersächsischen Behörden haben bei den untersuchten Milchproben nach eigenen Angaben bislang keine Auffälligkeiten entdeckt. 620 Milchproben sind bislang untersucht worden. Der Grenzwert für das als krebserregend geltende Aflatoxin wurde laut Ministerium aber nirgends überschritten.  Betriebe, deren Milch keine Auffälligkeit zeigten, dürfen wieder liefern. Mehrere hundert Betriebe, von denen noch keine Laborergebnisse vorliegen, bleiben zunächst weiter gesperrt.

Von bislang 19 amtlich untersuchten Futtermittelproben waren den Angaben zufolge jedoch 8 positiv, 11 lagen unterhalb des zulässigen Grenzwertes. Das Ministerium teilte überdies mit, zum jetzigen Zeitpunkt könne eine Höchstmengenüberschreitung auch in Leber und Nieren geschlachteter Tiere noch nicht ausgeschlossen werden.

Wer trägt die Schuld?

Zu möglichen höheren Gebühren für die Industrie sagte der niedersächsische Landwirtschaftsminister Meyer dem "Focus", dass der Staat 30 bis 50 Millionen Euro im Jahr sparen könne, wenn die Kosten der Wirtschaft in Rechnung gestellt würden. Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner warf den Herstellern unterdessen Versagen bei den Eigenkontrollen vor. "Es gab frühzeitig Hinweise von verschiedenen Seiten, doch diese wurden offenbar ignoriert." Die zuständigen Länderbehörden müssten "deutlich schärfer als bisher" überwachen, ob die Unternehmen ihre Pflichten einhielten. "Wenn die Bundesländer ausreichende Kontrollen nicht leisten können, liegt es auf der Hand, die amtlichen Kontrollen in Zukunft stärker als bisher durch Gebühren zu finanzieren."

Der Generalsekretär des Bauernverbandes, Helmut Born, sieht die Schuld im gegenwärtigen Schimmelpilz-Skandal beim Importeur. "Schuld ist in Lebensmittel-Skandalen immer derjenige, der unmittelbar für das Produkt Verantwortung trägt", sagte Born. Im Fall des verseuchten Futtermaises habe ein großer Getreideimporteur offenbar eine große Charge Mais mit zu hohen Werten Aflatoxin in Serbien gekauft. Diese habe er an Futtermittelwerke weitergeliefert. "Das durfte er nicht. Das ist schlicht und einfach gesetzeswidrig."

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Quelle: n-tv.de

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