Diskussion um Homo-Ehe: Hollande verärgert Schwule
Opposition und Kirche laufen Sturm. Die Regierung von François Hollande will die Homo-Ehe legalisieren. Als Zugeständnis an Konservative sagt der französische Staatschef nun, niemand dürfe gezwungen werden ein homosexuelles Paar zu trauen. Schwulengruppen sind empört.
Frankreichs Staatschef FrançoisHollande hat mit Äußerungen zur geplanten Homo-Ehe den Zorn von Schwulengruppenauf sich gezogen. Hollande sagte, aus "Respekt vor der Gewissensfreiheit"solle kein Bürgermeister dazu gezwungen werden, ein homosexuelles Paar zu trauen."Es gibt Möglichkeiten zu delegieren, und diese Möglichkeiten können ausgeweitetwerden", sagte der Präsident bei einem Treffen französischer Bürgermeister.Die sozialistische Regierung stößt derzeit mit ihren Plänen zur Einführung der Homo-Eheauf breiten Widerstand.
Elisabeth Ronzier von derHomosexuellenrechtsgruppe SOS Homophobie sprach von einem "sehr schlechtenZeichen" und einem "Rückzug" Hollandes. Die Schwulen- und LesbengruppeInter-LGBT äußerte sich "schockiert" und kündigte an, den Dialog mit derRegierung auf Eis zu legen. Hollandes Äußerungen seien "bestenfalls ungeschickt,im schlimmsten Fall Verrat". Die "persönlichen Überzeugungen" vonBürgermeistern dürften nicht über dem Gesetz und über dem Prinzip der Gleichheitaller Bürger stehen.
2000 Bürgermeister unterschreiben Petition
Das französische Kabinetthatte Anfang November einen Gesetzentwurf zur Homo-Ehe auf den Weg gebracht, derauch ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare vorsieht. Die Nationalversammlungsoll sich ab Januar mit der Vorlage befassen, gegen den die konservative Oppositionund die katholische Kirche Sturm laufen. Mehr als 2000 Bürgermeister haben bereitseine Petition unterschrieben, in der sie das Recht einfordern, homosexuelle Paarenicht persönlich trauen zu müssen.
Hollande versicherte auf seine Äußerungen angesprochen lediglich, das Gesetz zur Homo-Ehe müsse"in allen Gemeinden Frankreichs angewandt werden". In einer Erklärungstellte auch Justizministerin Christiane Taubira - ohne den Begriff der Homo-Ehezu verwenden - klar, es werde sichergestellt, dass in "allen Gemeinden"Frankreichs die Möglichkeit der Eheschließung bestehe. Hollande habe lediglich daraufhingewiesen, dass Bürgermeister und ihre Stellvertreter bereits das Recht hätten,diese Aufgabe anderen Mitgliedern des Gemeinderats zu übertragen.
Die Homo-Ehe ist ein WahlversprechenHollandes, Kritiker werfen dem Staatschef aber vor, nicht wirklich hinter dem Vorhabenzu stehen. Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem betonte am Mittwoch, Hollandesei "vollkommen entschlossen", die Einführung der Homo-Ehe durchzusetzen.Erst am vergangenen Wochenende hatten mehr als 100.000 Menschen in Frankreich gegendie geplante Homo-Ehe demonstriert.
Quelle: n-tv.de

